Galerie der Bauformen herausnehmbarer Zahnklammern
last update of this part 25.03.2012

ENGLISH gallery of removable braces B: functional jaw orthopedics
Galerie FRANCAISE des appareils orthodontiques amovibles B: appareils fonctionnels

B. wie „Bissregler“: Zahnklammern für Ober- und Unterkiefer zusammen

Diese werden auch funktionskieferorthopädische (= FKO-) Geräte genannt. Sie nutzen die Kräfte der Mundmuskulatur ihres Trägers und sind so gestaltet, dass sie diese Kräfte und Regelkreise nutzbar machen: zur Bisslage-Korrektur, zum „Einebnen“ der Zahnbögen, und bei manchen Bauformen auch zum Platzgewinn und für Zahnkorrekturen. Muskuläre Fehlfunktionen, die einen Kieferfehlwuchs /-minderwuchs verursachen, werden dabei normalisiert. Unter den Fallbeispielen, Vorbeugung und Naturheilverfahren und Weitere Info ... steht mehr darüber. Im Gegensatz dazu werden die Zahnbögen mit den heute verbreiteten „festsitzenden“ Techniken mit künstlich aufgeprägten Kräften geformt, oft genug in eine Einheitsform, wobei Schäden nicht ausgeschlossen sind.

Wichtiger Hinweis: obwohl „FKO-Geräte“ ein Sammelbegriff ist, wird er manchmal mit „Aktivator“ (dem gängigsten FKO-Gerät) gleichgesetzt. Dann führt eine Diskussion über die Fähigkeiten von „FKO-Geräten“ zu MISSVERSTÄNDNISSEN ! Also dann lieber den gemeinten Gerätetyp beim Namen nennen...


FGB der Turiner Schule nach Bracco: Gebiss entwickeln und gesünder kauen
Die Serie der Turiner Geräte nach Bracco (original: FGB = function generating bite) bereichert die tragezeitfreundliche Kaugummieffekt-Kieferorthopädie, die Ganztagsschülern entgegenkommt (siehe auch K3F oder Bimler).
FGB sind robust, hygienisch, recht komfortabel und vom Zahnwechsel unabhängig. Sie sind für die Frühbehandlung (ab 3 Jahre) und für die Behandlung im Wechselgebiss konzipiert. Deckbiss-Patienten können auch noch im bleibenden Gebiss mit entsprechenden FGBs ihre Beißkraft heilsam umnutzen.
Die Turiner Schule hat eine alte Bauform, die in Südeuropa punktuell noch in Gebrauch war, weiterentwickelt und diversifiziert und analysiert ihre muskuläre Wirkung.

Schon das FGB-Grundgerät vermag bei 7- bis 10-jährigen Kindern einen 1-seitigen Kreuzbiss (zu schmaler Oberkiefer) nicht nur zügig und schmerzlos zu beheben, sondern auch die anomalen Kaubewegungen auf dieser Seite wurden vollständig normalisiert, ob mit harter oder weicher Kauprobe (Quelle: s.u.). Im Gegensatz zu dieser ganzheitlichen Wirkung fanden US-Autoren (2001), denen zur Frühbehandlung von seitlichem Kreuzbiss nur GNE einfällt, keine Verringerung der anomalen Bewegungsmuster.

Das FGB-Grundgerät lässt den Unterkiefer frei. Aus seiner zentralen Pelotte entspringt 1 Paar seitliche Stütz- oder Dehnfedern und vorn 1 Paar Seitenflügel-Träger. Die Seitenflügel bestehen aus Wangenpelotten und dünnen Seitenblechen aus speziellem Federstahl, die in sich „kaubar“ sind: hygienisches Metall mit Kaugummieffekt! In Ruhelage sind die Seitenbleche schwebend, und auch die zentrale Pelotte liegt nicht an, sondern das federnde Gerät wird von der Zunge gegen die Zahninnenseiten gehalten. Frontal sind die Wangenpelotten zumindest durch einen oberen oder unteren Labialbogen verbunden, der, wie beim gezeigten roten Exemplar, auch modifiziert sein kann. Über die Grundausstattung hinaus hat dieses volle 4 Protrusionsfedern in stabiler Dicke.
Bei der darunter gezeigten Variante eines Progenie-FGB sind die frontalen Elemente einem FR 3 entlehnt. Es hat auch noch ein frontales Aufbissblech, das der zentralen Pelotte entspringt und eher zu Geräten gegen Tiefbiss oder Deckbiss (FGB-D) gehört, wo es je nach Ausprägung auch gedoppelt sein kann.
Gegen Unterkiefer-Rücklagen können FGBs mit unteren Lippenschilden oder Zungenhebern versehen werden. So erfolgt auch die Bissverschiebung rein muskulär. Zudem können die Bleche auch geneigt oder gebogen eingebaut werden, um Muskeln gezielt zu aktivieren, die die Kieferhaltung einschließlich des Gelenks gesunden lassen und z.B. eine krankhafte Vertikalentwicklung normalisieren können, ohne dass es harter Methoden bedarf.

Nicht möglich ist es mit den Halteelement-losen, weisheitszahnfreundlichen FGBs, die keine Schrauben oder Fingerfedern integrieren können, Lücken gezielt zu öffnen oder zu schließen. Für funktionsgerechte Zahnkorrekturen im Anschluss empfiehlt sich Reguflex


Vorschubdoppelplatten (verschiedene)
Bei der hier gezeigten Vorschubdoppelplatte (VDP) nach Jähnig handelt es sich um zwei beweglich miteinander verbundene Platten. Gegenüber den Bauformen mit (zumeist frontalen) Spornen, wie der gut untersuchten VDP nach Sander, entfallen hier Einschränkungen beim Anbringen von Federn und Schrauben an den Platten, und der Tragekomfort ist oft besser. Siehe Kapitel „Fallbeispiele“ für mehr. Eine weitere neue Variante hat durch elastische Silikon-Führungen einen gewissen Kaugummieffekt. Dadurch könnte eine zusätzliche Wachtumsanregung erzielt werden. Für den Kinetor (siehe unten) ist dieser platzgewinnende Effekt ausführlich dokumentiert.
Zahnstellung und Bisslage können mit VDPs zeitsparend gleichzeitig korrigiert werden. Überdies entfalten manche Arten VDPs eine starke Wirkung auf den Oberkiefer, ähnlich der eines Hochzug-Headgears (Außenspange) bzw. Headgear-Aktivators. Die Kraftübertragung hat eine ähnliche Richtung.



Rückschubdoppelplatten (RDP); leichtere Progenie-Platte

Die Rückschubdoppelplatte (RDP; hier per Bausatz nach Sander) und die leichter gebaute Progenie-Platte in den unteren Bildern tun das Gegenteil der vorgenannten VDP. Sie schieben den Unterkiefer zurück, und fördern dabei durch die Gegenkraft auch die Entwicklung des Oberkiefers.
Sie dienen also der Behandlung des Vorbisses (Progenie / Klasse III) und sind dabei konventioneller gebaut als die Progenie-Varianten, die es für fast alle unten folgenden Doppeldecker-Spangen gibt, wie z.B. der bewährte FR 3 oder das Bimler-C-Gerät.
Sie ermöglichen zugleich eine Oberkiefer-Verbreiterung, die bei Progenie oft nötig ist.
Anders als der Vorschub lässt sich der Rückschub aber nur kleinschrittig nach und nach realisieren. Probieren Sie selbst: wie weit können Sie Ihren Unterkiefer vorschieben, und wie weit zurückziehen? Daher galten Progenie-Behandlungen als knifflig, was zu der traurigen Entwicklung führt, dass heute sogar rechtzeitigen Fällen oft nur noch Brachialmethoden angeboten werden, oder aber ineffiziente Alibi-Methoden, um Patienten für spätere Kieferoperationen heranzuzüchten.

Technisch wird der Rückschub bei der Sander-RDP durch seitliche Sporne an der oberen Platte realisiert, die vor ein Paar Widerlager der unteren Platte greifen, wobei genügend seitlicher Spielraum bleibt. Diese Widerlager sind allmählich vorzuschrauben, wodurch der Unterkiefer kleinschrittig zurückgedrängt wird, und die Gegenkraft auf den OK wirkt.

Weniger beengend für die Zunge ist die Progenie-Oberkieferplatte, bei der ein Gegenkieferbügel (verstellbares Drahtelement) den Unterkiefer zurückhält. Sie hat weiterhin 3 Arten von Elementen zur Oberkiefer-Quer- und -Längsentwicklung: Dehnschraube, Oberlippenschilde (hier etwas klein) wie beim FR 3 und Protrusionsfedern für die Schneidezähne.



Aktivator, gute Bauform

die Betriebssicherheit und Tragekomfort vereint. Rastet auf dem Unterkiefer ein, führt ihn stabil nach vorn und vermindert sein Zurückfallen während des Schlafes.
Ermöglicht zudem auch vertikalen Ausgleich der Bisslage und sichert die UK-Front gegen unerwünschte Kippung. Dennoch ist durch die weitgehend frontoffene Bauweise die Sprach-Beeinträchtigung geringer als bei einer OK-Platte!


Neue Bionator-Varianten

mit „Kaugummieffekt“ durch elastisches Silikon-Material in den Bereichen, deren Zahnpositionen zur korrekten Verzahnung anzupassen sind. Diese Anregung der Kautätigkeit erzeugt effizienten und dennoch schmerzlosen Druck auf diese Zähne, was die Erfolgschancen dieser schonenden Behandlung bei Patienten erhöht, die schon jenseits der optimalen Wachstumsphase sind. Bionatoren normalisieren die Funktionen der Mundmuskulatur, die die Kiefer natürlich formt, oder bei Fehlfunktion entsprechend verformt oder nicht genug zum Wachsen anregt. Im oberen Beispiel gibt das Silikon nach W. Paulus Vertikal-Druck auf die Backenzähne, dadurch schnellerer Ausgleich eines offenen Bisses, neben der gegebenen horizontalen Bisslagekorrektur.
Im unteren Beispiel ist ein Umkehrbionator (gegen die umgekehrte Kieferfehlstellung) mit Silikon modifiziert zur Überstellung des Kopfbisses, der hier vermutlich ein unzureichendes Ergebnis einer festsitzenden, statt funktionellen Behandlung war:
>>Ist die Front im OK durch den Konstruktionsbiss bei Klasse III Fällen schon im Bereich des Kopfbisses, ist die Bewegung mit Silikon ein gute Möglichkeit, die Front mehr körperlich zu überstellen. Im OK wird die Front mit Set-up überstellt. Hinter der UK- Front wird ausgewachst (zur Retrusion). Im gesamten Frontzahnbereich ist kein Kunststoffanteil, um die Elastizität des Materials voll auszunützen.<<

Dabei ist Bionator nicht gleich Bionator. In der Schulmedizin ist er nur ein modifizierter Aktivator – so wie die hier gezeigten, die laut einer ganzheitlichen Behandlerin wegen falscher Drahtlage der Gebissentwicklung zu wenig Freiheit lassen, oder wegen dem zusätzlichen unteren Labialbogen, der bei Aktivatoren geläufig ist, aber nicht zum original Bionator nach Balters gehört.
In der ganzheitlichen Kieferorthopädie umfasst die Bionatortherapie auch eine ganzheitliche Diagnostik mit zusätzlichen Untersuchungen und Begleittherapien (Lymphdrainage, Magnetfeldtherapie,...), die i.a. keine Kassenleistungen sind.
Könner dieses Systems geben an, bei Kindern nie Zähne ziehen zu müssen - während Kinder anderswo manchmal leider minderwirksam konstruierte Spangen bekommen, darunter auch als Bionator bezeichnete, und 2 Jahre später, nachdem wertvolle Wachstumsphase verstrichen ist, mit Zähneziehen bedroht werden.



Biognathor, der Erwachsenen-Bionator
Ausgehend vom Bionator ist der Biognathor (Biognathe Orthese) nach Dr. von Treuenfels, Eutin, so auf das Wesentliche reduziert, dass er auch für berufstätige Erwachsene tragbar wird. Damit er weder sichtbar auffällt noch beim Sprechen stört, ist er im Frontbereich völlig offen bis auf die tiefliegende Verbindungsstrebe (Unterzungenbügel). Diese wird zur langfristigen Anwendung des Biognathors in graziler Modellguss-Technik (wie für eine Teilprothese) hergestellt und solide in die Plastikflügel eingebettet. Im Vergleich zum Bionator entfällt auch der gaumenseitige Zungenbügel, und der Lippenbügel kann bei Bedarf abgenommen werden. Panorama mit 9 mehr Bildern dazu hier [266kB pdf].
Einerseits wirkt er gegen Pressen, Knirschen, Kiefergelenksbeschwerden und dadurch bedingte Verspannungen. Reagieren doch viele Menschen Stress durch nervöse Angewohnheiten gerade auch im Mundraum ab. Der Biognathor rastet anders als übliche Schienen nicht ein, sondern trainiert einen Loslass-Reflex an, der dem bereits entgegenwirkt.
Andererseits wirkt er auch gegen jene Fehlfunktionen, die mit mangelnder oder falscher Entwicklung des Kauorgans einhergehen, wie falsches Schlucken oder Mundatmung bzw. Haltungsschwächen der Lippen oder des Unterkiefers.

Auch die funktionelle Bisslagekorrektur selbst kann man auch noch beim Erwachsenen damit anstreben. Dies wird von Verfechtern der Kiefer-Operationen zwar bestritten, aber andererseits werben Hersteller von Herbstscharnieren und anderen Festeinbauten hier mit Erfolgen. Schließlich baut sich auch erwachsener Knochen noch auf und ab - Weichgewebe formt Hartgewebe.
Für jede Anwendung wird die Wirkung des Biognathors durch gezielte Physiotherapie gesteigert, bevorzugt durch Übungen mit einfachen Hilfsmitteln nach Padovan, Brasilien. Eine Erfolgssteigerung einfacher, starrer FKO-Geräte durch gezielte Übungen wurde auch aus Thailand berichtet, wo unsortierte Patienten im Alter von 7 bis 15 (!) Jahren in 6 bis 24 Monaten wirtschaftlich von der dort verbreiteten Progenie geheilt wurden.
Diese Selbstbehandlung unter Anleitung gibt es auch bei den Kaugummieffekt-Geräten, wie sie in diesem Kapitel versammelt sind. Sie bewirken bereits einen Trainingsanreiz in sich, der jedoch weniger zielgerichtet ist, sondern allgemeiner die Kieferentwicklung und Nasenatmung fördert.
Zwar bieten derlei Bisskorrektur-Behandlungen mit bequemen alltagstaugliche Apparaturen Erwachsenen keine 100%-igen Heilungschancen, sind dafür aber schmerz- und risikolos, so dass sie nicht vorweg ausgeklammert werden sollten. Mehr Forschung dazu wäre wünschenswert.


„Schuhspanner“ für die Backentaschen:
Funktionsregler 1 und 2 nach Fränkel

Dieser Gerätetyp regt das Kieferwachstum an, indem er die Weichteile vom Knochen abspreizt, und korrigiert nebenbei die Bisslage.
Zwar nicht auf schnellstem Wege, aber dafür sehr durchgreifend, auch bei ungünstiger „vertikaler Wachstumsrichtung“. In Fällen, denen im frühen Wechselgebiss frontal eine ganze Zahnbreite fehlte, finden hiernach nicht nur die Front-, sondern auch die Weisheitszähne ausreichend Platz! Im oberen Exemplar ist der äußere und innere vordere Unterkiefer-Teil zudem in traditioneller Bauform darauf ausgelegt, schrittweise weiter vorgezogen zu werden.

Funktionsregler 3 nach Fränkel
Der FR 3 ist zur frühen Behandlung des Vorbisses (Progenie) bewährt, im Einzelfall jedoch Kaugummieffekt-Geräten unterlegen. Er regt den OK zu Längen- und Breitenwachstum an, während er den UK eng umfasst, um sein Wachstum zu hemmen. Der Zungenraum wird dabei nicht eingeengt, wie die Innenansicht zeigt. So kann die Zunge gesunde Bewegungsabläufe entwickeln.


Kaukraft Kiefer-Former (K3F)
nutzt maximal den Kaugummieffekt, so wie unter Dentosophie genauer beschrieben. Er eignet sich dadurch nicht nur zur Früh- und Kinder-Behandlung, sondern kann auch in schwere und späte Fälle Bewegung bringen. Er unterscheidet sich von anderen herausnehmbaren Spangen dadurch, dass er in 4 Formen mit durchgehenden Konfektionsgrößen erhältlich ist (mehr Info hier), gegen
(1) Engstand und / oder Rückbiss, (2) Deckbiss
(3) Unterkiefer-Vorlage (auch, wenn eine RDP, s.o., noch nicht passt)
(4) schmalen Oberkiefer (ohne Konkurrenz-Fabrikat).
Er hält nicht ewig und passt nicht jedem, aber den meisten.
Panorama mit den Unterschieden der 4 Typen und Sonderformen hier [186 kB pdf Mini-Poster].


Bimler-Geräte, siehe auch Fallbeispiele-Kapitel:
A-Gerät (Grundgerät)

Bimler-Geräte sind in 3 Typen mit jeweils mehreren Varianten so konstruiert, dass sie beim Zubeißen federnd nachgeben und wie ein Kaugummi den Patienten zu leichten Kieferbewegungen anregen. Deren Kraft setzen sie dann korrekturwirksam zur Wachstumsförderung und überdies auch zur Zahnkorrektur um (mehr dazu im Fallbeispiele-Kapitel). Der UK-Teil dieser Geräte wird von zwei langen, federnden Drahtarmen gehalten, die hinten aus dem Plastik des OK-Teils entspringen, und zur Behandlung von Rückbisslagen sukzessive weiter vorgebogen werden können. Bei Kiefer-Enge werden Varianten mit Nachstell-Schraube anstelle der Omega-Feder benutzt.
Typ A ist für 90% der Kinder-Behandlungen geeignet. Die gezeigte Variante hat 2 zusätzliche Fingerfedern im oberen Eckzahnbereich.


Bimler-B-Gerät (Deckbiss-Gerät)

hier von oben gesehen, d.h. die unteren Drahtarme verdeckend. Zur Behandlung des Deckbisses beißen OK- und UK-Frontzähne federnd auf das Gerät und erfahren somit eine Kraft wurzelwärts (Intrusion). Zusätzlich wird dabei eine Feder hinten gegen die beim Deckbiss einwärts geneigten oberen Schneidezähne nach vorn gedrückt. Damit wurden z.B. in der DDR auch noch bei Erwachsenen Erfolge erzielt. Analog eignet sich der Deckbiss-Typ des FGB (siehe oben) für Erwachsene.

Kurse, Fertigteile, Adressen: www.bimler.com


Bimler-C-Gerät (Progenie-Gerät)
Von Vorbiss (Progenie) sind in Europa etwa 5% der Bevölkerung mehr oder weniger betroffen.
Das Bimler-Progeniegerät, hier von oben gesehen (siehe auch das entsprechende Fallbeispiel), lässt den Zungenraum fast so frei wie ein FR 3 (siehe oben), lässt den Backentaschen-Raum freier und stellt weniger Anforderungen an die tägliche Tragezeit. Nur in der Anfangsphase ist es auch tagsüber zu tragen. Auf wirtschaftliche Weise ermöglicht es eine wenige belastende Langsambehandlung, die zur berüchtigten Hartnäckigkeit des progenen Fehlwuchses passt, der hiermit meist verhindert werden kann. Ähnlich wie vorgenannte leichte Progenie-Platte umfasst seine Ausstattung einen Gegenkieferbügel sowie Elemente zur Dehnung und Streckung des Oberkiefers – die hier allerdings mit Mundmuskelkraft angetrieben werden. Zusätzlich wird noch die Zunge von der UK-Front abgehalten, damit diese besser zurückweichen kann. Bei Bedarf kann auch der ganze UK-Teil im Laufe der Behandlung zurückgestellt werden.



Maxillator nach Hangl
Ein robustes und dennoch mäßig voluminöses, verstellbares Gerät aus starrem UK-Teil (wie U-Bügel-Aktivator nach Karwetzky) und dynamischem OK-Teil (wie Bimler-Gerät). Es ist für die gar nicht so seltenen Fälle konzipiert, in denen vorwiegend der OK nachwachsen muss.
Das gezeigte Exemplar hat zusätzlich zur Grundausstattung verstellbare Unterlippen-Schilde, die eine Fehlfunktion (Lippensaugen) blockieren und abtrainieren sollen. Weitere Korrektur-Elemente können bei Bedarf angebracht werden, z.B. am Oberteil entsprechend denen, die bei Bimler-Geräten möglich sind. Am Unterteil ist ein selektives Ausschleifen möglich, z.B. zum Nachwachsenlassen der Seitenzähne bei Tiefbiss.


Kinetor nach Stockfisch
Ein mit auswechselbaren Fertigteilen rationell herzustellendes altes Doppelplattengerät, das für heutigen Maßstab klobig ist, aber der Kaugummieffekt-Kieferorthopädie wertvolle Erkenntnisse gebracht hat. Ober- und Unterteil sind mit Silikonschlauch-Stücken federnd aufeinander abgestützt und mit außenliegenden Drahtschlaufen federnd verbunden, die nachstellbar sind und den Wangendruck abhalten. Weitere Schrauben und Federn können integriert werden.
Durch den „Kaugummieffekt“ ermöglicht der Kinetor bei konsequentem Nachstellen eine rasche und dennoch schonende 3-dimensionale Beeinflussung des Kieferwachstums.
Die Variante mit elastischen Aufbissen (zusätzliche Schläuche) wirkt auch noch jenseits des Frühbehandlungs-Alters gegen offenen Biss.

Bildnachweis und weitere Quellen:

Turiner Schule (FGB) nach Bracco:
http://ejo.oxfordjournals.org/content/28/5/480.full
M. G. Piancino, Pietro Bracco et al., Reverse-sequencing chewing patterns ..., Eur J Orthod 28 (2006) 480-484; Fotos: www.dr-kuklinski.de, München. Diverse bunte derselben Kategorie finden sich bei www.my-fgb.info/geraete/index.html
Vorschubplatten:
A. Jähnig, Die Herstellung des Göttinger „Pro-Stab“-Plattensystems, Quintessenz Zahntech 25 (1999) 1009-18, Silikon-Version: W. Paulus, siehe unten, weitere Literatur: A. Jähnig und R. Krysewski, Das Göttinger „Pro-Stab“-Plattensystem, J Orofac Orthop/Fortschr Kieferorthop 58 (1997) 320-29; F. G. Sander und C. Lassak, Fortschr Kieferorthop 51 (1990) 155-64
Rückschubplatten:
www.froehls.de
, Münster; weitere Literatur: F. G. Sander, Inform. aus Orthodontie und KFO 33 (2001) 345-60. Leichtere Progenie-Platte: Fundus, aber vergl. Fallbeispiele-Kapitel

Aktivator: Marke Eigenbau
Bionator (und anderes) mit Silikon:
Fachlabor für KFO W. Paulus, Burgbernheim,
www.kfo-fachlabor.de
Biognathor:
www.kfogeuer.de = www.bionator.info

H. v. Treuenfels, Die neue Biognathe Orthese..., KFO-Zeitung 2002, Ausgabe 9 – Horizont Praxis; H. v. Treuenfels, Die Biognathe Orthese (Biognathor)... GZM Praxis und Wissenschaft 7 (2002) Heft 1, 7 (2002) 54–60 (Heft 4) und 8 (2003) 20-23 (Heft 1);
S. Satravaha, Frühbehandlung von Progeniefällen in Thailand, Prakt Kieferorthop 7 (1993) 23-30
Funktionsregler:
hier www.launhardt-dental.de, Dresden; weitere Literatur: F. Falck, Die Herstellung der Funktionsreglertypen 1, 2 und 3.., Quintessenz Zahntech 19 (1993) 1145ff. H.-J. Hantsche, Quintessenz Zahntech 19 (1993) 1451-62
Bimler-Geräte: Typ A: Gastautor; Typ B: B. Bimler, Der Bimler Deckbissapparat (Typ B), Quintessenz Zahntech 24 (1998) 1151-60. Typ C: privat erhalten von A. B. Bimler.
(weitere Literatur: H.-P. Bimler und B. Bimler, Die Bimler Therapie (II), Quintessenz Zahntech 19 (1993) 273-82. H. P. Bimler, Fortschr Kieferorthop 44 (1983) 1208-16)
Maxillator:
www.mw-orthodental.at; weitere Literatur: J. Schirchl, Quintessenz Zahntech 22 (1996) 1465-72.
Kinetor:
H. Stockfisch, Die kieferorthopädische Präzisionstechnik mit Fertigteilen für das Doppelplattengerät „Kinetor“, Quintessenz Zahntech 19 (1993) 1335ff.

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