FUNKTIONSKIEFERORTHOPÄDIE
(FKO) NATURHEILKUNDE IN DER
KIEFERORTHOPÄDIE
letztes
Update dieses Teils: 01.03.2005
Zur
Entwicklung:
Die
Tätigkeit aller Mundmuskeln
formt die wachsenden kindlichen Kiefer. Stillen ist das erste
Training dafür. Bei mangelndem Gebrauch wachsen die Kiefer zu
wenig, und bei falschen Abläufen z.B. des Schluckens, die durch
zu große Schnuller angewöhnt werden können, wachsen
sie falsch. Die
medizinische Seite der Kieferorthopädie, die eigentliche
Orthopädie, soll gesunde Kau- und Mundraumfunktionen
(wieder-)herstellen, und wieder richtig wachsen lassen, was falsch
gewachsen ist. Dazu gibt es in Europa einen Erfahrungsschatz, wie das
Kieferwachstum so zu beeinflussen ist, dass es sich durch die Kräfte
des Patienten selbst normalisiert: die Funktionskieferorthopädie
(FKO). FKO-Zahnspangen (zumeist Doppeldecker) nutzen
als Kraftquelle also nur die Mundmuskulatur ihres Trägers, und
unterliegen deren Regelkreisen. Dadurch sind schmerzhafte oder gar
schädliche Überlastungen der Gewebe praktisch
ausgeschlossen.
Von den
hier beschriebenen FKO-Zahnspangen wirken manche wie eine Form
für die wachsenden Kiefer und Zahnreihen, während andere
die Reize mehr muskulär vermitteln (Zunge, Lippe, Wange;
Atmung). Teils kommen zusätzlich Übungen zur Anwendung, in
der Art von Krankengymnastik.
Auch abwegige Zahnstellungen können
damit normalisiert werden. Besonders, wenn sie von Kiefer-Fehlwuchs,
-Minderwuchs oder muskulären Fehlhaltungen und Fehlfunktionen
herrühren. Aber auch erblich bedingte Fehlstellungen, die etwa
20% ausmachen, sind mit manchen Arten von FKO-Zahnspangen
beeinflussbar.
Das
Behandlungsergebnis ist fast natürlich gewachsen und
verheißt dadurch eine höhere Stabilität als ein von
künstlichen Kräften geformtes
Behandlungsergebnis.
Leider
werden solche Gesundheitsaspekte heute durch
Lobbyarbeit und aggressives Marketing hinter die
kosmetische Seite und die High-Tech-Seite der Kieferorthopädie
zurückgedrängt (mehr dazu: im Alternativen-Kapitel). Auf
Wer schön sein will/soll, muss leiden folgt: Wer
sich zu Material degradieren lässt, darf sich nicht wundern,
später ausgemustert zu werden. Obwohl herausnehmbare
Zahnspangen, anders als viele andere Naturheilverfahren, von der
Kasse durchaus bezahlt werden (für behandlungsbedürftige
Minderjährige).
VERSCHIEDENE
FKO-SYSTEME IM EINZELNEN:
Dabei
handelt es sich zumeist um nebeneinander existierende Systeme, jedes
mit seinem theoretischen Hintergrund, seinen Stärken und
Schwächen.
Anwendungsbereich:
alle Bissanomalien, aber auch Engstände können mit
geeigneten Arten von FKO-Geräten korrigiert werden, sofern noch
ausreichend Wachstum vorhanden ist. Je stärker das Wachstum,
d.h. je jünger der Patient ist, um so schneller oder
umfangreicher kann es auf schonende Weise beeinflusst werden. Mit
geeignet ausgelegten FKO-Geräten können selbst ungünstige
Wachstumsrichtungen der Kiefer normalisiert werden.
Zwei
Anwendungen, bei denen FKO-Geräte auch noch Erwachsenen
nützen können, sind:
1. Beinflussung der
Muskulatur zur Entlastung bei Kiefergelenkbeschwerden, gegen
muskuläre Fehlfunktionen (Knirschen) oder zur Lockerung des bei
manchen Zahnkorrekturen störenden Zusammenbisses,
2.
Umsetzung von Muskelkräften für bestimmte Zahnbewegungen,
z.B. gegenläufige Frontkippung oder Deckbiss-Behandlung (Prinzip
Bimler-B-Gerät).
Gängige
Funktionsweise: zumindest die
starren Arten der FKO-Geräte bringen den Unterkiefer in eine
korrigierte bis überkorrigierte, geöffnete Lage
(Konstruktionsbiss). Ist diese Lageveränderung
stark, so verändert sie in kurzer Zeit den Regelkreis für
die Haltung des Unterkiefers, auch bei 15/24h- oder
gar nur nächtlichem Tragen. Diese Korrektur des Regelkreises
hilft beim Gesundwachsen mit, besonders wenn durch
Überkorrektur auch der Zusammenbiss gehemmt ist. Dieser Effekt
vermeidet beim Kauen unangenehme Spitze-zu-Spitze-Zahnkontakte durch
Zahnstellungen, die während des Übergangs von falscher zu
richtiger Verzahnung auftreten können.
Einige FKO-Geräte
sind so geformt, dass sie auf einem Kiefer einrasten, während
andere sich lediglich abstützen. Vorschubplatten (6) werden mit
den üblichen Halteelementen gut verankert.
(1)
Aktivator nach Andresen und Häupl (30er
Jahre)
Dieses
älteste, robuste FKO-Gerät ist - in volumenreduzierten,
weniger sprachbehindernden Bauformen als früher - auch
heute noch das Standard-FKO-Gerät. Jahrzehntelang war erst
Platten, dann bei Biss-Anomalie Aktivator der
Standard-Behandlungsablauf in Deutschland.
Die im oberen und
vorderen Gaumenbereich offene, im Unterkiefer eingerastete Bauform
erfüllt bei minimaler Sprachbeeinträchtigung die genannten
Funktionen, während es der völlig front-offenen Bauform
(elastisch-offener Aktivator, 2 Plastik-Seitenteile mit vielen
Verbindungsdrähten) an Betriebssicherheit mangelt, wenn es gilt,
die Frontzähne gegen gegenläufige Kippung zu sichern.
Der
Aktivator stützt den Unterkiefer in vorgezogener Lage am
Oberkiefer ab und nutzt dabei im Wesentlichen die Ruhespannung der
gedehnten Kaumuskulatur. Diese Haltung bewirkt ein allmähliches
Vorwachsen des Unterkiefers durch Veränderungen im
Gelenk und im Winkel zwischen waagerechtem und aufsteigenden
Kieferast, während der Effekt der Gegenkraft auf den Oberkiefer
geringer ist.
Weiterhin eignet sich der Aktivator zum vertikalen
Ausgleichen der Kieferform, die bei offenem Biss konvex und bei
vertikalem Überbiss konkav verläuft. Dazu läßt
man die nachzuwachsenden Zonen (Frontbereich bzw. Seitenzahnbereich)
freistehen, während die übrigen auf den Plastikkörper
des Geräts aufbeißen und dadurch im Wachstum gehemmt
werden.
Mit zusätzlichen Abstützdornen versehen, kann
der Aktivator bereits die zweite Phase des Zahnwechsels zur
Bisslagekorrektur nutzen und dabei die Seitenzähne gleich in
ihre passenden Positionen dirigieren, insbesondere in der
Vertikalen.
Einen sukzessive nachstellbaren UK-Vorschub (bei sehr
großem horizontalen Überbiss) bzw. Rückschub (solche
Fälle sind schwieriger) ermöglicht der U-Bügelaktivator
nach Karwetzky, bestehend aus OK- und UK-Aufbissplatte, die an den
Innenseiten durch zwei große, biegbare Drahtschlaufen verbunden
sind.
Empfohlene Tragezeit: nachmittags und nachts
STARRE WACHSTUMSFÖRDERNDE GERÄTE
(2)
Bionator nach Balters
In diesem System, der Ganzheitlichen
Kieferorthopädie, ist die Ursache der Bissanomalie
ausfindig zu machen und mit Hilfe des Bionators abzustellen. Als
Ursachen werden Fehlhaltungen oder Fehlfunktionen der Zunge, der
Lippen, gar des ganzen Körpers angesehen, in erster Linie die
Mundatmung.
Neben dem Bionator-Grundgerät (gegen
UK-Rücklage mit oder ohne Engstand) gibt es das Abschirmgerät
(gegen offenen Biss, Plastik schirmt die Zunge ab) und das
Umkehrgerät (gegen Vorbiss). Alle haben einen Zungenbügel
und einen Lippenbügel, um den Patienten zur richtigen Zungen-
und Lippenhaltung anzuregen. Dann weitet die Zunge den zu engen
Oberkiefer (unterstützt durch die rückwärtigen
Schlaufen des Lippenbügels, die den Wangendruck abhalten), und
die geschlossenen Lippen kippen durch Fehlfunktionen vorgekippte
Schneidezähne wieder zurück. Das gezeigte, auf dem
Oberkiefer-Modell liegende Exemplar hat noch 2 zusätzliche
Drähte.
Empfohlene Tragezeit: original ganztägig
(bedeutet: außer beim Essen, Reinigung, Sport), in manchen
Fällen genügt nachmittags und nachts.
(3)
Funktionsregler nach Fränkel
Dieser
ungewöhnlich aussehende Gerätetyp stellt eine Besonderheit
dar, indem er die Kieferkorrektur ausschließlich über die
Muskulatur vermittelt, mit besonderen Therapiebeginn: die
haltungsschwache Muskulatur muss durch zunehmendes Tragen des Gerätes
bei Tage erst ausreichend gestärkt werden (Lippenschluss ist
unbedingt erforderlich), damit dann der korrekte Betrieb
auch nachts erfolgen kann. In diesem System wird z.B. eine
UK-Rücklage als Resultat einer Haltungsschwäche betrachtet.
Ein beim entsprechenden Funktionsregler-Typ hinter die UK-Front
ragendes Schild dient nicht etwa als Abstützung, sondern
lediglich zur Reizauslösung gegen nächtliches Absinken des
UK, der bei diesem Gerätetyp in sukzessiven kleinen Schritten
vorverlagert wird, damit die ihn haltende Muskulatur sich mit
entwickeln kann. Eine besonders hohe Langzeitstabilität
der so erzielten Ergebnisse ist nachgewiesen.
Der Mundraum wird
nicht eingeengt, die Kiefer werden nicht nur, wie beim Bionator,
durch den Andruck der Zunge bei passivem Abhalten des Wangendrucks
geweitet, sondern überdies aktiv durch Zugwirkung der
großflächigen Wangen- und kleineren Lippenschilde auf die
Knochenhaut, wodurch das Knochenwachstum angeregt wird. Die Schilde
stehen dazu 2-3mm vom Kiefer weg, die Lippenschilde können
überdies noch nachgestellt werden, und auch die Abstützdrähte
sind so angeordnet, dass sie das Breitenwachstum zulassen.
Alle
Funktionsregler-Typen wirken bemerkenswert gegen Engstände.
Bei frühzeitigem Behandlungsbeginn (im frühen
Wechselgebiss, bzw. bei Enge im Milchgebiss auch schon dort) können
diese nicht nur durch Breitenwachstum aufgelöst werden, sondern
oft kann sogar noch Platz für die Weisheitszähne
durch Längenwachstum in OK und UK gewonnen werden! Bimler-Geräte
und der dynamische Funktions-Harmonisator schaffen das
aber eventuell auch. Ein Kriterium für besonders gesunde
KFO-Methoden?
Im einzelnen ist Funktionsregler
Typ 1 gegen Engstand bei Neutralbiss und horizontalem
Überbiss und Typ 2
bei Deckbiss indiziert (erfordert zuvor eine aktive
Aufrichtung der OK-Front), während Typ
3 Ober- statt Unterlippenschilde aufweist und ein
bewährtes Gerät gegen UK-Überentwicklung und /oder
OK-Unterentwicklung ist, also gegen Vorbiss.
SPECIAL Funktionsregler 3 zur Klasse 3-Behandlung (Vorbiss, Progenie)
Brief an einen Ratsuchenden, dessen 9-jähriger Sohn wegen Oberkiefer-Unterentwicklung mit Gaumennahtsprengung und Gesichtsmaske behandelt werden sollte. Diese Brachial-Methode macht inzwischen selbst vor 5-jährigen (!) nicht halt, obwohl sich noch weitere sanfte Methoden eignen können, siehe im Alternativen-Kapitel unter Progenie (Vorbiss), Frühbehandlung..
>>
Hallo XXX und Sohn,
mit der Profit-Steigerung kieferorthopädischer
Behandlungsmethoden geht leider ihre zunehmende Verrohung
einher, und offenbar seid ihr an einen solchen Hardliner
geraten.
Wer keine Qualen, sondern sanfte Behandlung mit
herausnehmbaren Geräten will, und dafür rechtzeitig
anfangen und auf Perfektionismus verzichten kann, muss heutzutage
u.U. nicht nur bei einem 2., sondern bei einem 3., 4. usw. Behandler
anfragen (siehe HILFEN-Kapitel). Viele wissen gar nicht mehr, wieviel
auf sanftem Wege mit herausnehmbaren Geräten erreichbar ist.
Und
dann dieser Trend, Behandlungs-Schritte möglichst schnell (und
entsprechend intensiv, riskant und schmerzhaft) durchzupeitschen.
Falls es dann später einen wachstumsbedingten Rückfall gibt
- nochmal die Qual, nochmal Kosten. Anstatt, so wie früher
bewährt, die Zähne und Kiefer mit Hilfe wenig belastender
Geräte in ihre korrekten Positionen zu führen.[...]
Aber
zurück zur Sache, und keine Panik, erstens ist der
Funktionsregler 3 (FR 3), den ich im Forum empfohlen
hatte, nicht so ganz unbekannt. Er ist genau gegen diese Anomalie
unterentwickelter OK konzipiert und bewährt.
Zweitens
kann bei euch die Fehlstellung, wenn sie nicht schon eher aufgefallen
ist (untere Milchzähnchen beißen vor die oberen, sowas
kommt vor!), ja sooo extrem nicht sein, dass nur noch besagte
Hau-Ruck-Methoden Erfolg versprechen (den OK gewaltsam verbreitern
und nach vorne ziehen, Schädigung des Kiefergelenks nicht
ausgeschlossen, da 2/3 der Gegenkraft auf dem Kinn landen).
Wohingegen der FR 3 (ich habe übrigens schon 11-13-jährige
einen tragen sehen) den OK durch Zugreize seiner Schilde risikolos
zum Vorwärts- und Breitenwachstum anregt, indem er die
Weichteile vom Knochen abspreizt. 6mm Verbreiterung sind routinemäßig
erreichbar (braucht´s noch mehr, kann man mit einer Dehnplatte
oder Bertoni-Platte vorarbeiten).
Im Gegensatz zu den
Brutalgeräten sieht man diesem Gerät seine
Funktionsweise nicht an. Also: mit einem Draht hinter der OK-Front
werden die Schneidezähne in der 1. Behandlungsphase vorgekippt,
damit sie vor die unteren beißen. In der 2. Behandlungsphase
werden die Oberlippenschilde des Geräts weiter vorgezogen. Der
Knochen wächst in diese Richtung nach, die vorgekippten Zähne
stellen sich dabei wieder mehr senkrecht.
Am UK liegt der FR 3
dagegen eng an, um dessen Wachstum zu hemmen. Der Mundinnenraum ist
fast frei. Man kann mit dem FR 3 praktisch normal sprechen, nur die
Beweglichkeit der Oberlippe ist durch die dahinter liegenden Schilde
eingeschränkt. Die Eingewöhnungszeit ist bei Typ 3 kürzer
als bei Typ 1 und 2. Dabei können Druckstellen auftreten (nichts
gegen die Leiden, die feste Einbauten verursachen können). Die
Schilde sind dann an diesen Stellen zu kürzen. Würde man
sie von vornherein rundum kürzer bauen, verlöre das Gerät
seine Wirkung.<<
Empfohlene Tragezeit: original
ganztägig, in manchen Fällen genügt nachmittags und
nachts.
DYNAMISCHE WACHSTUMSFÖRDERNDE GERÄTE sportliche Funktionskieferorthopädie
Diese Geräte sind im Gegensatz zu vorgenannten nicht starr, sondern nutzen den Kaugummieffekt. Der Patient wird zu vermehrter Muskeltätigkeit angeregt und bewegt sich dabei gegen die Dehn- und Korrekturelemente dieser Geräte, die seinen Zähnen und Kiefern dabei formende Reize rückvermitteln. Die Geräte müssen gelegentlich den bereits erfolgten Wachstums- und Formungsvorgängen nachgestellt werden, jedoch nie so weit, dass sie wie aktive Platten bereits in Ruhe Druck ausüben. So wird im Vergleich zu starren FKO-Geräten ein schnellerer Behandlungsfortschritt trotz geringerer täglicher Tragezeit beobachtet, vermutlich durch Massage-Effekte, die die Durchblutung der Zahnhaltegewebe anregen und damit den Stofftransport für den gewünschten Gewebeumbau bzw. -zuwachs fördern. Dieses risikolose eigene sportliche Vorantreiben der Behandlung bei realistischen täglichen Tragezeiten wäre besonders für ältere Jugendliche von Interesse.
(4)
Gebissumformer nach Bimler
Diese auch elastische
Gebissformer genannten FKO-Geräte sind, ebenso wie der
Gummi-Aktivator nach Soulet-Besombes bzw. der dynamische
Funktionsharmonisator, zur Selbstbehandlung unter Anleitung
gedacht.
Bimler-Geräte setzen die Bewegungen des Patienten
beim Kauen, Schlucken und Sprechen in eine 3-dimensionale
Kieferkorrektur samt Platzgewinn um, und bei sorgfältigem
Nachstellen (erfolgt durch den Arzt) auch in Einzelzahnkorrekturen,
z.B. Einordnen von Schneide- oder Eckzähnen oder Rückschub
von Backenzähnen. Der Platzgewinn lässt sich als
individuelle Wachstumskurve über der laufenden Behandlungszeit
auftragen. Im Fall eines unzureichenden
Platzgewinns wäre die Entscheidung für Zahnextraktionen
dann individuell begründet, statt anhand von Mittelwerten.
Leider gibt es für so patientenfreundliches Vorgehen keine
Abrechnungsposition, während verstümmelnde Behandlung mit
Zähneziehen heute schon bei 10-jährigen profitabel ist, die
sogar vorher schon in Beobachtung
waren!
Dass der Platzgewinn nur dann erfolgt, wenn Bedarf
dafür besteht, zeigt Bimler exemplarisch durch Vergleich von
zwei ähnlichen Fällen, wovon der erste dehnungsbedürftig
ist und der zweite nicht (H. P. Bimler, Fortschr. Kieferorthop. 45
(1984) 33-44). Ihre Wachstumskurven mit den Bimler-Geräten
zeigen entsprechend beim ersten Fall Expansion und beim zweiten
nicht. Die Information über den korrekten Zustand ist demnach im
System des Patienten vorhanden gewesen, nur war seine Ausprägung
gehemmt. Das mag auch für die 20% der Anomalien gelten, die
erblich sind. Das Abbauen dieser Entwicklungshemmnisse ermöglicht
die Selbstheilung. Ein altbekannter naturheilkundlicher Ansatz, der
auch den Funktionsreglern (s.o.) und der Dentosophie (Unter-Kapitel)
zugrundeliegt. Rückfallträchtige Überkorrekturen
drohen bei diesen Methoden nicht. Das Behandlungsergebnis ist ein
stabiles System.
Im
Aufbau der Bimler-Geräte ist der starre Plastikkörper von
Aktivatoren und Bionatoren weitgehend durch nachgebende Drähte
ersetzt. Es gibt die Haupttypen Grundgerät A,
Deckbiss-Gerät B und Vorbiss-Gerät C, mit
jeweils mehreren Varianten und einem eigenen, farbigen
Diagnostikverfahren. Weitere Spezialformen findet man bisweilen als
D-Geräte bezeichnet, und eine A-Variante ist auf den
Lückenschluß extrahierter 4er ausgelegt.
Alle Typen
basieren im Oberkiefer auf einer frontoffenen Platte mit
Dehnschraube, oder einer zu Seitenflügeln reduzierten Platte,
die dann durch eine Omega-Feder verbunden sind; ggf. sind
Halteklammern angebracht. Aus dieser Platte entspringt hinten ein
dickes Drahtpaar, das dann entlang der Innenseite der UK-Backenzähne
verläuft, eine kurze Rückschlaufe bildet und zwischen 4er
und 5er nach außen tritt, um von außen das je nach
Gerätetyp zusammengesetzte UK-Frontzahnelement zu halten. Hinzu
kommen die typspezifischen Drahtelemente im OK oder vom OK zum UK
greifend. Beim Zubeißen oder seitlichem Bewegen federn alle
diese Drähte, deren Verlauf auf eine Nutzung der Gegenkräfte
ausgelegt ist. So wird vertikaler Kaudruck beim C-Gerät in
UK-Rückschub umgesetzt und beim B-Gerät in eine Vorkippung
der einwärts geneigten OK-Front, wobei mit dem B-Gerät
auch noch bei der Erwachsenenbehandlung Erfolge erzielt
wurden.
Empfohlene Tragezeit: variabel, nachts bis ganztägig
(5)
Silikon-Anteile auf gängigen,
starren FKO-Geräten
sind
eine neuere Entwicklung, die mit dem Verbund von modellierbarem
Silikon auf Plastik möglich wurde. Sie sind weder zerbrechlicher
/ verbiegbarer noch klobiger als übliche FKO-Geräte.
Weitere derart verstärkte Bionatoren und
Funktionsregler sind in Zahnspangen-Unterkapitel B gezeigt. Mit
nur wenig Labor-Mehraufwand lassen sich damit Behandlungen
beschleunigen. Dies sind effiziente Herausnehmbare im Sinne der
Sparmassnahmen der Krankenkassen.
Empfohlene
Tragezeit: nachts und 2 4 Stunden tagsüber sollten meist
genügen.
ZWEI
GERÄTE IN EINS:
(6) Vorschubplatten /
Rückschubplatten, bzw.
Vorschubdoppelplatten / Rückschubdoppelplatten:
Die Idee,
Platten ineinander greifen zu lassen oder beweglich aneinander
zu koppeln, um zusätzlich zu ihrer Wirkung auf die einzelnen
Kiefer auch Vorschub des Unterkiefers zu bewirken (bzw. auch
Rückschub, oder Mittellinienkorrektur), hat zahlreiche
Konstruktionen hervorgebracht. Besonders umfangreiche Untersuchungen
wurden mit der Vorschubplatte von Sander durchgeführt, bei der
die Vorschubstreben frontal beiderseits einer Dehnschraube angebracht
sind.
Eine bemerkenswerte neuere Konstruktion
sind die Pro-Stab-Platten von Jähnig,
die im Kapitel Fallbeispiele
ausführlich dokumentiert sind. Ihre Bestückung mit
Korrektur-Elementen ist nicht eingeschränkt, was eine
zeiteffiziente Korrektur von Bisslage und Zahnstellung zugleich
ermöglicht.
Tragezeit: die Pro-Stab-Platten
ermöglichen ein Aushängen wahlweise der oberen oder
unteren Platte, um bei Bedarf die Platte für den schwerer
betroffenen Kiefer zusätzliche Stunden am Tag tragen zu
lassen. Oder wenn ein Kiefer schon fertig behandelt ist, um das
komplette Gerät nur noch nachts zu brauchen.
ENGLISH EXAMPLE of functional treatment suggestions (find the mentioned appliances above)
A
request and reply: LATE CASE CLASS 3 TREATMENT
Dear
zzzz family,
>our daughter
who is now 14. ... wearing a vertical pull headgear with a chin-cap
at night and over weekend...
++Besides,
in Poland they rectify class 3 problems (lower jaw stands before
upper) with the chin-cup ALONE - but at much younger children.
>She
is scheduled to start the full treatment in the near term which
includes full braces and unfortunately a reverse pull headgear
(facemask) .
++The expression full
treatment for use of fixed braces, as if removables would be
insufficient anyway, already signifies how much knowledge about the
latter HAS BEEN LOST!
>Our
daughter has been shown and explained what appliances will be
required .. is absolutely terrified of what to expect as she has had
a difficult time adjusting to the simple chin-cap. She is now
terrified that when she get her facemask and although we tried to
'calm her down' she is not convinced
++She
has the right feeling! Do not fool her by calming her down. Better
AND healthier methods do exist!
>...that
her doctor may change the treatment. We spoke briefly to her doctor
but he wants to proceed soon fit fitting her with bands and then
using four to six elastics from the facemask
++He
has not informed her about treatment alternatives because as many
others, he only knows this single, profitable method. So you
should find another doctor, who knows healthier and more
dignified methods. He /She can continue the treatment of your
daughter then. The table of numbers in the help chapter
is intended for doctor search.
To focus your search, you should
try to get addresses of doctors from headquarters of certain methods.
The KEY to success in late cases, and 14 jears is LATE for class 3
treatment, are dynamic appliances, that are such you can chew on.
They make efficient use of the patient´s own forces, so that
any pain and damage is avoided, and they do not require full-time
wear. By this strong exercise effect they can be more
effective than rigid appliances as the Fränkel 3 or backshift
double plates (built from pre-fabricated kit from Forestadent in
standard technique), which also use just the patient´s
forces.
In contrast, the face mask can damage your daughter´s
jaw joints, because 2/3 of the counter force applies to the chin.
Be aware, the treatment of jaw joint troubles is tedious (..)
Next,
consider the danger of relapse. How would the corrected jaw
position be better stable for whole life? If forced into shape by
strong external forces, or if shaped by the patient´s forces
alone, which are re-directed by the dynamic appliance?
Highly
DYNAMIC methods are (1) in sub-chapter Dentosophie (German / French)
of the
Info chapter and www.dentosophie.com.
An ADULT with this problem is treated successfully and even gives his
detailed comments, and also a very young case is shown! In braces
sub-chapter B (2) Bimler appliances (type C for class 3),
www.bimler.com,
and (3) dynamic bionators etc. with silicone rubber zones, by
W. Paulus, www.kfo-fachlabor.de.
Even
if you find an appropriate doctor farther away from you, this is not
a trouble because functional treatment may require meeting him just
every 6-8 weeks, and has no danger of emergencies.
If your search
takes time, do not get urged. Postpone upcoming schedules
until the situation is clarified. You and your daughter have a RIGHT
to be informed thoroughly about different methods. I think it would
be better to pass 10 - 20 phone calls / faxes / e-mails, than to see
her suffering for months or years and saddle her with a risk of
longtime damage, of relapse or of both, despite of existing
alternatives.
Besides, I have a scientific article about class 3 treatment in Thailand, in a group of 9 - 15 year old children. With removable appliances in the mouth 14/24h + exercises, and successful! I have this only on paper. If you are curious on this, I will need your postal address to sent you a copy.
So
I can sum up a total of 9 appliances (5 are in braces sub-chapter
B) that are less discomfortable and dangerous than the face
mask. However they will normally NOT work at any age of the
patient:
1. A lightweight appliance
for early class 3 cases in the examples of cases chapter,
2. backshift double plates, 3. Fränkel 3 (details
in English in chapter B), 4. Bionator reverse type, can be
accelerated with silicone rubber for chewing, 5. Bimler C
type, 6. U-Bow activator of Karwetzky, 7. Maxillator of
Hangl (mixture of the two preceding), 8. dentosophic method
(rubber activator, exercises), 9. Thailand method (modified
activator, exercises).