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HILFEN zur Arztsuche: freie Arztwahl ist Ihr gutes Recht
Aber wenn zwei Kieferorthopäden Ihrem 9-jährigen Sohn einen Headgear (Außenspange) verpassen wollen? Oder Ihrer 8-jährigen Tochter „die Gaumennaht erweitern“ oder Ihrem 10-Jährigen 4 gesunde neue Zähne ziehen lassen wollen? Ihrer 13-Jährigen ein „Scharnier“ fest einbauen wollen? Oder nur noch mit >1000 Euro Zuzahlung behandeln wollen, obwohl die Kasse den Fall zahlt?
Oder wenn Sie für sich selbst eine Art der Zahnkorrektur suchen, die Sie nicht so abhängig macht?

Dann gilt es „Angebote“ einzuholen, bis eine Behandlungsform dabei ist, die der genauen Prüfung auf ihre körperlichen und finanziellen Risiken standhält.

Wie spürt man „herausnehmbare“ Kieferorthopädie auf?
Wieviel man vorab telefonisch herausfinden kann, ist unterschiedlich. Manche Praxen wollen alle Patienten herlocken, andere lehnen Wechsel-Patienten pauschal ab.
Man kann sich auf Anbieter bestimmter Methoden konzentrieren. Aber VORSICHT:
solche Listen enthalten nicht nur Puristen, sondern auch Ärzte, die ihre sanfte Methode nur leichten Fällen angedeihen lassen, oder die allen eine feste Spange hinterher einbauen.
Sollte kein „Spezial-Anbieter“ nah genug sein, dann kann man
A) ein Gesuch („Ausschreibung“) auf Medizin-Auktionsplattformen mit Kieferorthopädie-Rubrik platzieren, wie
z.B. www.medikompass.de (Deutschland; Partnerseiten in Holland und der Schweiz). Die Gesuche sind dort kostenlos und die Angebote unverbindlich. Behandlungs-Alternativen am besten zunächst als Kennenlern-Gespräch suchen. Der Einzugsbereich ist wählbar, wobei manche sanften Methoden nur alle 6 – 10 Wochen einen Termin brauchen und kaum Notfälle (Reparaturen / wunde Stellen) machen, so dass längere Wege akzeptabler würden.
B) nahegelegene oder aus dem Telefonbuch gesuchte Ärzte erkunden.

Erkundungs-Möglichkeiten:
(1a) Noch ohne Kontakt-
Aufnahme kann man sich unauffällig in der Nähe des Eingangs aufhalten und herauskommende Patienten befragen (Art der Spangen, Beschwerden, Kosten usw.).
(2) Nicht alle Kieferorthopäden-Webseiten sind zu Behandlungsmethoden aussagekräftig.
Kommen sie nicht zu „Bracket-Lastig“ daher, und stehen bei Behandlungsmethoden feste und herausnehmbare Spangen (nicht nur Funktionskieferorthopädie, sondern auch noch andere) gleichberechtigt nebeneinander, so sind sie einen Versuch wert. AUSSER wenn auch Behandlung mit Außenspangen (Headgear, Gesichtsmaske), implantatgestützte Kieferorthopädie (Mini-Schrauben o.ä., de facto Knochen-Piercing, mehr dazu im Alternativen-Kapitel) oder routinemäßiges Gaumennaht-Aufbrechen (GNE, auch verharmlosend „Kieferweitung“, „Schnelldehnung“ oder „forcierte Dehnung“ genannt, Extrakapitel HIER) präsentiert wird. Wachsamkeit ist auch bei den Bezeichnungen „bioprogressiv“ und „biofunktionell“ geboten: dahinter stehen Marketing-Konzepte für bestimmte feste Spangen.
Weiterhin sollte man jene nicht seltenen Praxen meiden, die den Standpunkt vertreten „Über die Art der Spange entscheidet allein der Arzt (anhand der Fehlstellung)“. Schließlich sind, besonders bei rechtzeitigem Behandlunsbeginn, für die meisten Fehlstellungen mehrere Behandlungs-Möglichkeiten aussicht
sreich. Viele Wege führen nach Rom!
(3) Beim ersten Termin Augen auf: was für Anschauungsmaterial hängt an den Wänden, liegt aus, ist ggf. ausgestellt? Vorsicht bei übertrieben luxuriöser Einrichtung.
(1b) Sodann kann man, sofern einem dafür Zeit bleibt, Patienten im Wartezimmer befragen.
(4) Stichwort VERHANDLUNGSSPIELRAUM: bietet die Praxis, von schwierigen Fällen abgesehen, mehrere Methoden an, auch sanfte? Kann man erfahren, was für Spangen das wären?
(5) Und wie sieht es mit Zuzahlungen aus? Moderat und überschaubar?

(!!) Sofort weitersuchen sollte man, wenn es in einer Praxis heißt, man kann erst anfangen, wenn alle Milchzähne weg sind. Das ist ein sicheres Indiz für „feste Spangen für alle“. Verschleppung bis zur Verschlimmerung führt zu teureren, belastenderen Behandlungen. Dass einige Praxen Kinder nur noch mit harten Erwachsenen-Methoden behandeln, unter Missachtung ihres Wachstums, mag auch daher kommen, dass Praxen zum Besitzerwechsel oft attraktiv als „Erwachsenen-Praxen“ verkauft werden.
(!!!) Ist von brachialen Maßnahmen wie Zähneziehen, Gaumennaht erweitern (GNE, s. o.) oder Außenspangen (Headgear, Gesichtsmaske) die Rede, sollte man die Untersuchung mit der Frage unterbrechen:
Würden Sie das bei Ihrem Kind / bei sich selbst auch machen lassen?

Patientenfreundliche Ärzte haben Alternativen. Aber Vorsicht vor (voluminösen) Festeinbauten wie z.B. Pendulum oder Distal Jet, die keine Kassenleistung sind – während entsprechende herausnehmbare Lösungen Kassenleistung wären (evtl. eingeschränkt bei Spätfällen).
Manche Ärzte sagen nicht, was sie im Schilde führen. Dann sollte man auch beim leisesten Zweifel den Behandlungsplan anderswo „übersetzen“ lassen, z.B. von der Krankenkasse oder von mir.
(o) Man dann auch danach oder auch später noch wechseln, möglichst BEVOR eine feste Kundenbindung installiert wird: Termin auf Eis legen, Behandler suchen, der übernimmt - bei schon länger laufenden Behandlungen aber in manchen Gegenden nicht einfach.

VERHANDLUNGS-HILFEN:
Eröffnungs-Fragen, am Telefon oder vor Ort:
„Wir würden Behandlung mit herausnehmbaren Spangen bevorzugen,“

1. Können geeignete Fälle bei Ihnen ausschließlich mit herausnehmbaren Spangen behandelt werden? (etwa wieviel Prozent, dabei aber an deren Alter denken)
2. Können geeignete Fälle funktionskieferorthopädisch behandelt werden? (Doppeldecker- oder Doppelplatten-Spangen, die Mundraum-Muskelkräfte nutzen)
3. Mitbestimmung: können geeignete Fälle zwischen verschiedenen Zahnspangen-Arten wählen? (einer mag es lieber schnell, ein anderer lieber langsamer, aber dafür weniger belastend...)
4. Möglichst konkret werden: falls ihr schon euren Befund kennt, wie z.B. Platzmangel oder Unterkiefer-Rücklage, dann solltet ihr nachfragen, mit welchen Zahnspangen-Arten der dort generell behandelt wird (allgemein, keine unzulässige Ferndiagnose).

Konter:
A.
Herausnehmbare Spangen sind nicht durchweg veraltet.
B. Mit einem weniger perfekten Behandlungs-Ergebnis wären wir einverstanden. Die Zähne verschieben sich im Laufe des Lebens eh wieder mehr oder weniger.
C. Behandlungsdauer: „Feste Spangen sind schneller als Herausnehmbare“: theoretisch ja. Könner schaffen damit auch schwere Fälle in 2 Jahren, aber viele schleppen damit heute auch leichtere Fälle, Kinder und Jugendliche über 2 – 4 Jahre hin! Teils unter Verzicht auf wirksame Funktionskieferorthopädie, teils auch dann, wenn mit herausnehmbaren Spangen „vorbehandelt“ wurde.
Könner mit Herausnehmbaren schließen dagegen die meisten Behandlungen, sofern sie zeitig begonnen wurden, bald nach Abschluss des Zahnwechsels ab, d.h. die Spangen können dann „ausgeschlichen“ werden (Retentionsphase).
D. Zu den zunehmend als Privatleistung für bis zu 600 Euro vermarkteten (Klebe-)Retainern = hinter die Frontzähne geklebten Drähtchen: sie mögen für bestimmte Spätfälle sinnvoll sein, aber fixieren eine künstlich erzwungene und eventuell unphysiologische Zahnstellung. Sie drängen funktionelle Behandlungsmethoden, die schmerzlos mit dem Wachstum arbeiten, noch weiter ins Abseits. Denn deren Ziel ist das Gesundwachsen des Systems Mundraum, wobei jeder Zahn seinen individuellen, langfristig stabilen Platz findet, so dass sich eine Dauerretention erübrigt.

Damit sollten Sie Ihre Macht als „mündiger Patient“ nutzen und lieber vorher mit 5 – 15 Telefonaten und ggf. mehreren Beratungen oder einem Gesuch online (s.o.) den „Richtigen“ suchen, als Gefahr zu laufen, dass Sie oder Ihr Kind jahrelang unnötig leiden und / oder unnötig viel zuzahlen müssen.
Andererseits zahlen die Kassen die sinnvolle Frühbehandlung von „simplem“ Platzmangel, ohne Kreuzbiss oder offenem Biss dabei, nicht mehr. Dabei ermöglichen herausnehmbare Spangen zur frühen Platzbeschaffung bei geringer körperlicher und finanzieller Belastung eine gesunde Gebissentwicklung! Anbieter dafür, siehe Linkliste, aber auf der Hut bleiben! Oder Kaukraft Kiefer-Former probieren.

Über Erfolg oder Misserfolg herausnehmbarer Zahnspangen entscheiden
1. technische Details, die nicht immer augenfällig sind (für Fachleute: Anleitungen erfolgreicher Praktiker verwenden!),
2. die Kommunikationsfähigkeit zwischen Arzt und Patient. Man vergleiche hier mit Lehrern: a). die repressiven, b). die, denen die Schüler auf der Nase herumtanzen, und c). die, die respektiert werden, ohne Druck auszuüben (bei ihnen ist die Unterrichtsqualität am besten),
3. die Einsicht und Gewissenhaftigkeit des Patienten. Irgendwann muss jeder lernen, dass gewisse Dinge Sorgfalt erfordern. Eine moderate Zuzahlung kann dies durchaus fördern (ohne damit für kostentreibende Methoden zu plädieren),
4. Detailkenntnisse der Wachstumsprozesse. So wird z.B. zunehmend verkannt, dass Zähne bei Kindern eine Tendenz zum Senkrechtstehen haben, wodurch „saubere“ Lückenschlüsse und Lückenöffnungen mit Herausnehmbaren möglich werden. Oder dass eine lange Gesichtform, weil sie viele Korrekturen erschwert, bei der Auslegung von Doppeldecker-Spangen, mit denen sie durchaus positiv beeinflusst werden kann, oder der Planung von Platzgewinn besonders zu berücksichtigen ist. Denn heute droht diesen Patienten gewaltsames In-Form-Zwingen mit fraglicher Langzeitstabilität und erhöhtem Risiko für spätere Kiefergelenks-Beschwerden.

Wie viele Ärzte muss man fragen?
Um so mehr, je seltener die gesuchte B
ehandlungsmethode ist, und je verschleppter der Fall ist. Geduldig bleiben, die Kommunikation muss klappen. Ungewohnte Fachausdrücke sollten verständlich erklärt werden.
Die Tabelle gibt Finde-Wahrscheinlichkeiten an. Von der obersten zur untersten Zeile wird das Gesuchte seltener. Für eine Anzahl von 1-...25 gefragten Ärzten in den Spalten geben die Felder der Tabelle die Wahrscheinlichkeit in % dafür an, unter dieser Anzahl einen passenden Anbieter zu finden.
Beispiel 1: man sucht eine noch recht häufige Methode, die jeder 2. Arzt anbietet (das könnte in Deutschland z.B. die Platzmangel-Frühbehandlung mit Herausnehmbaren sein). Dann wird man beim ersten Arzt, den man fragt, schon mit 50% Wahrscheinlichkeit fündig. Fragt man zwei, wird man zu 75% fündig, d.h. man hat nur zu 25% zweimal „Pech“.
Beispiel 2: seltenere Methoden, wie z.B. Erwachsenenbehandlung mit aktiven Platten oder sanfte Behandlung schwerer Indikationen, z.B. erbliche Progenie, erfordern eine umfangreichere Suche. Wird eine Methode nur noch von jedem 20. Arzt des Faches praktiziert, dann wird ein auf´s Geratewohl gefragter nur mit 1/20 =5% passend sein (unterste Zeile). Für 40% Finde-Wahrscheinlichkeit müsste man dann 10, für 64% 20 Ärzte fragen!
Diese Arbeit sollte man reduzieren, indem man sich Ärzte, die die gesuchte Methode haben könnten, empfehlen lässt. Kontakte dazu stehen in meiner Linkliste sowie meiner privaten Positivliste. Evtl. hilft auch ein Online-Gesuch.
Hinweis 3: neben schweren Fehlstellungen gibt es auch mäßig schwere, aber „verfängliche“: für sie ist eine sanfte Behandlung rar geworden, obwohl sie rechtzeitig noch gute Heilungschancen böte. Vermutlich, weil in diesen Fällen das Brutale besser bezahlt wird. Z. B. bei:
- oberem Schmalkiefer mit ein- oder beidseitigem Kreuzbiss. Hier droht schon 8-Jährigen die Tortur der Gaumennaht-Sprengung! Kritische Eltern fanden erst beim 5. gefragten (konventionellen) KFO eine „herausnehmbare“ Behandlung. Ganzheitliche Behandler arbeiten in Deutschland sanfter (in Österreich nicht unbedingt!), aber aufpassen: ein Bionator allein korrigiert Schmalkiefer höchstens, wenn sie von Mundatmung kommen und die Behandlung früh genug beginnt. Ansonsten kann z.B. ein Crozat-Gerät oder eine aktive Platte helfen.
- Platzmangel bei großen Zähnen: nicht in die Warteschlange zum Zähneziehen schieben lassen (gesunde Milchzähne vor Enge ziehen bereitet dies ebenfalls vor)! Sondern langfristig angelegten Platzgewinn suchen – auch hierbei (aber nicht immer) kann man bei Ganzheitlichen eher fündig werden (aber nicht allein mit Bionator). Bzw. eine individuelle Indikation, ob Zähneziehen für ein stabiles Ergebnis besser wäre, lässt sich mit der klassischen Bimler-Methode gewinnen (siehe Fallbeispiele-Kapitel).
- Nichtanlage von Zähnen (zumeist 5er oder 2er; Fallbeispiele-Kapitel): wenn sich der nachfolgerlose Milchzahn erhalten lässt, wäre das die einfachste Lösung, an der Kieferorthopäden aber nichts verdienen. Wenn nicht, dann sollten auch Generalisten abwägen, ob man auf Lückenschluss, auf Restlücken (evtl. mit Zahnverbreiterung) oder auf Zahnersatz (Klebebrücke, Inlaybrücke, Implantat) hin arbeitet. Neben der Platzsituation und Verzahnung wäre hierfür auch die individuelle Zahnbeweglichkeit zu betrachten.

Die gefragte Methode hat:

Anzahl gefragte Ärzte, Finde-Wahrscheinlichkeit darunter in %

1

2

3

5

7

10

15

20

25

jeder 2.

50% 

75% 

88% 

97% 

99% 





jeder 4.

25% 

44% 

58% 

76% 

87% 

94% 

99% 



nur jeder 7.

14% 

27% 

37% 

54% 

66% 

79% 

90% 



nur jeder 10.

10% 

19% 

27% 

41% 

52% 

65% 

79% 

88% 


nur noch jeder 20.

5% 

10% 

14% 

23% 

30% 

40% 

54% 

64% 

72% 



Letztes Update dieses Kapitels: 01.06.2010

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