Dr. rer. nat. Larissa Dloczik, Sellostr.22, 14471 Potsdam
Tel. (0331) 9513440, E-Mail: info@zahnklammern.eu
Stand: 21.04.2010


ENGLISH version: Own prototypes of lightweight removable appliances
Chapitre français: Mes propres prototypes des appareils amovibles légers

Eigene Prototypen herausnehmbarer KFO-Geräte
Info über weitere Mittel und Anwendung sanfter Kieferorthopädie hier

Dies ist kein Verkaufsprospekt für Zahnspangen, sondern ein Denkanstoß. Diese Prototypen könnten Entwicklungspotenzial haben für preisgünstige, risikoarme und komfortable Lösungen.
Dabei steht hier zunächst das technische Prinzip im Vordergrund. Die Prototypen sind nicht professionell ausgearbeitet, konnten nicht an Modellen „realistischer“ Fälle erstellt werden und können in Details noch fehlerhaft sein.

Ausführliche Anleitungen sind bei den mit AN markierten bereits erhältlich, und sind offen für Verbesserungen. Bei Geräten mit sehr kleinen Plastikanteilen sind diese generell im Pasten-Verfahren gezielter als im Streuverfahren herstellbar. Begrenzungen aus Wachs verhindern ein Eindringen der Plastikmasse in Bereiche, die davon frei bleiben müssen.
Die Geräte sind zur schnellen Übersicht markiert mit F für Frühbehandlung,  J  für „übliches“ Behandlungsalter (ausgehend vom späten Wechselgebiss) und E zur Spät- und Erwachsenenbehandlung.



1. AN F  J  Individuelle flexible Lippenschild-Geräte
zur Wachstumsanregung der Kieferfront bei Engstand im Ober- oder Unterkiefer, ohne Gefahr der „Überdehnung“. Oder als leichtes Gerät, um hintere Zähne hinten zu halten.
Durch geeignet angeordnete Wendeln und Schlaufen der Schild-Aufhängung sind sie individuell am Patienten einstellbar und reaktivierbar. Dabei dürfen die Schilde den wichtigen Lippenschluss nicht behindern. Ihre Feder-Wirkung, oder mehr noch die Elastizität von Silikon daran regt die Tätigkeit der Lippenmuskeln an und beschleunigt so die Korrektur funktionell. Gerade im Unterkiefer kann damit Restwachstum effizient und ohne Rückfallgefahr genutzt werden.

Von oben nach unten sind gezeigt:
1. Unterkiefer-Schild konventionell aus Plastik mit fertigen Dreiecksklammern, hintere zum Auflagedorn umgebogen.
2. Unterkiefer-Schild mit Halteelementen aus schnell herzustellendem umgreifenden Plastik, von einem Draht-Rahmen verstärkt, hier um 6er und 7er. Vorteil: Schild-Aufhängung braucht nicht den Zahnbogen zu queren. Kombi-Schild drahtseitig Plastik, Lippentaschen-seitig Silikon, auch schnell herzustellen. 2 zusätzliche Fingerfedern innen.
3. ähnlich, aber Halteelement nur um die 6er, Schild ganz aus Silikon und durch die Gestaltung der Aufhängung tiefer in der Lippentasche platziert (zur Nutzung des Fränkel-Effektes).

4. Oberkiefer-Kombigerät mit Schildgestaltung wie 2. und Dehnschraube; konventionelle Halteklammern.

Da diese Geräte frontoffen sein müssen, um den Zungendruck nutzen zu können, kann im Unterkiefer keine Dehnschraube genutzt werden. Jedoch ist ein Dehnbügel möglich, so wie bei den „dezenten Dehnfedern“, Teilbild rechts oben. Bei 2. ist einer vorhanden, aber seine rückwärtigen Schlaufen sind im Bild verdeckt.

2. F  J  E Mini-Dehnfeder-Geräte
ausführliche Laboranleitung
hier [484 kB pdf],
ohne Sprachbeeinträchtigung und mit rascher Eingewöhnung für alle Altersstufen von Früh- bis Erwachsenenbehandlung. Dort nur noch ein geringer Effekt, wohingegen bei der Frühbehandlung auch hochgradige Kieferenge sanft und kostengünstig behoben werden könnte.
Das Exemplar rechts unten ist mit einer federnden „Memory-Schraube“ und mit Kappen als Halteelemente ausgestattet. Die anderen enthalten Federn, deren Stärke nach Bedarf auszulegen ist (detaillierte Anleitung erhältlich). Als Halteelemente können alle üblichen Halteklammern oder Überkappungen dienen.




3. F  J  E Die wirklich herausnehmbare Quadhelix (QH)
im Gegensatz zur nur durch den Arzt „herausnehmbaren Quad Helix“ und der verlöteten Quad-Helix, die in jedem Fall beim Essen sehr hinderlich sind.

Hier wurden 3 fertige und 2 selbstgedrehte Quad-Helices mit „Plastik-Halteklammern“ versehen, wie bei dem roten von o.g. Lippenschild-Geräten. Dabei 2 Unterkiefer-QH (rot, gelb) und 1 Lang-Version.
Für diese 2-armigen Halteelemente reicht dünner Draht (0.6 mm). Der passt beim Zusammenbiss besser zwischen den Zähnen durch. Den Zahnfleischsaum nur sparsam ausschleifen, denn dort sind am ehesten bauchige Stellen, auf denen das Element einschnappt. Darüber kann außen je eine kleine Griffmulde eingeschliffen werden, zum leichteren Herausnehmen.
An Nachbarzähne angrenzendes Plastik muss dann ausgeschliffen werden, wenn sie nicht mit beeinflusst werden sollen. Für eine Ausdrehung der 6er z.B., während eine simple Dehnung dies nicht braucht. Zum Ausdrehen der 6er empfiehlt sich zudem, über ihnen je eine kleine Z-förmige Biegung anzubringen, wie hier bei dem orangen Exemplar. Denn da die „Enden“ der Quadhelix im Plastik zu liegen kommen, wo man sie zum Biegen der Drehung nicht gut in die Zange nehmen kann, schafft man sich damit einen nahen Ansatzpunkt für die Zange. Dieser Bereich muss zunächst etwas Abstand zur Schleimhaut haben, damit sich das „Z“ nicht nach der Verdrehung hineindrückt!

Falls die 6er zu konisch oder noch zu wenig durchgebrochen sind, könnten kleine, zahnfarbene Simse („Attachments“) aufgeklebt werden, die auch in der Invisalign®-Technik bei Bedarf genutzt werden. Anders als Brackets oder Bänder verletzen sie weder die Wangenschleimhaut, noch beeinträchtigen sie die Hygiene dieser wichtigen Zähne. Das Gerät schnappt darauf dann fest und wackelfrei ein.





4. F  J  Die 4-Element-Progenieplatte
Etwa 5% der Deutschen, im Süden mehr als im Norden, entwickeln progene Kieferformen.
Zur Progenie-Behandlung bewährte „spezielle“ FKO-Geräte (mehr dazu im Fallbeispiele-Kapitel) wurden weggedrängt von Brachialmethoden, oder von unzureichenden Standardprozeduren in der Jugend mit später folgender Knochen-Operation.
Frühbehandlung ist bei Progenie wichtig, und eine konventionelle Oberkieferplatte kann dafür genügen, wenn sie, wie die 3 bewährten Vorlagen unten, mit entsprechenden Elementen bestückt wird. Alle 3 enthalten eine Dehnschraube, 2 haben verschiedene Gegenkieferbügel, 2 haben verschiedene Protrusionsfedern bzw. -arme, die in der blauen Platte sogar den Zungenpunkt plastikfrei lassen. Die zweifarbige Platte hat kleine Oberlippenschilde, während für Funktionsregler-3 große Oberlippenschilde empfohlen werden (Tiefe der Lippentaschen am Patienten messen, Gipsmodell entsprechend radieren und 2 mm Wachs unterfüttern).

So ist der rechts gezeigte 4-elementige Prototyp trotz frontoffener Bauweise für mehr Komfort eine Maximalversion. Für leichtere Fälle können je nach Situation Elemente weggelassen werden.
Er enthält einen verstellbaren Gegenkieferbügel (wie Vorlage unten rechts, nach Tränkmann), große Schilde, sowie Protrusionsarme, die in einarmiger Bauweise mindestens 1,0 mm dick sein sollten, und eine große Schraube (nominal 11 mm Dehnweite). Bei massiver Kiefer-Enge kann damit bis zu 3 mm im Monat „gedehnt“ werden, auf gesamt maximal 10 – 12 mm inkl. Überkorrektur. Das entspräche 1/8 Drehung pro Tag, würde dabei allerdings 20/24 h Tragezeit und viele fest einrastende Halteklammern erfordern, aber deckt sich mit der Werbung „bis zu 3x schnellere Dehnung“ für sog. Memory-Dehnschrauben mit integrierter Feder. Diese sind hier schlecht geeignet, weil die Platten-Hälften hier durch die vorderen Elemente u.U. sogar doppelt verbunden sind.




5. F  J  E Skelettierter Komfort-Retainer
Diese Geräte sind entsprechend ihrem Zweck langlebig, leicht zu säubern und auch im Mund hygienisch. Denn durch möglichst geringe Bedeckung der Schleimhaut wird die Selbstreinigung möglichst wenig eingeschränkt. Beim Unterkiefer-Retainer reicht das Plastik hier nur 3 mm, beim oberen 5 mm über die Zähne hinaus.
Auch kleine Restkorrekturen mit Federn (hier für untere Front) oder Silikon (hier für oberen 6er) sind möglich. Die gezeigten Exemplare sind nur erste Beispiele einer Vielzahl von möglichen Varianten.

Der UK-Retainer hat ein tragendes Skelett aus 1.1 – 1.2 mm Draht, der den Mahlzähnen beidseitig anliegt. Plastik umfasst hier nur die 5er bis 3er, weshalb als zusätzliches Halteelement Kugelanker zwischen 5er und 6er greifen. Die Front kann statt mit Draht auch vorne und /oder hinten in Plastik gefasst werden, so wie bei dem OK-Retainer. Dessen gezeigte Bauform ist noch vorläufig, weil hier für die Verbindungsbügel 0.9 mm Draht (statt 1.1 mm) reichen würde, und weil deren vorderer am Gaumendach etwa 1 Zahnbreite weiter hinten liegen sollte als hier gezeigt, um die Zunge nicht zu stören.
Die zahnumgreifende Bauweise gewährt festen Halt. Ein zusätzlicher Draht hinter der Front wäre möglich.



6. AN   E 3-Segment-Sagittalschraube
Die 3 unabhängigen Segmente sind in erster Linie zum Verschieben von 7er, 6er und 5er, bzw. des (4er+5er)-Segments, gedacht. Eine entsprechende alte Konstruktion, die statt Schrauben ein spezielles Federpaar für jeden zu verschiebenden Zahn verwendet, ist als „Lorenz-Platte“ beschrieben (C. W. Schwarze, Quintessenz Zahntech 18 (1992) 653-66). Ihre Funktionstüchtigkeit ist erwiesen, aber anders als die hier vorgestellte Schraub-Variante ist sie aufwändig in Herstellung und Betrieb.

Mit der 3-Segment-Sagittalschraube können die Seitenzähne ohne Haltverlust sukzessive kleinschrittig verschoben werden können, statt erst einer die ganze Strecke, dann der nächste,..

So kann der Platz in Ober- und Unterkiefer zügig bis zur Engstelle durchgestellt werden, ohne dass unnötige, u. U. empfindliche Lücken aufgetan werden, und ohne das das Gerät an Halt verliert. Da der Patient die Schrauben selbst bedient, ist der Aufwand des Behandlers gering.
Bei der Platte rechts im Bild, die eine noch zu lange Version der Schraube enthält, sind 2 Arten Halteelemente realisiert. Bei Überkappung entfällt das akkurate Biegen der Führungsdrähte. Eine kürzere Bauform der Schraube wäre technisch möglich. Prototypen (Neusilber) sind erhältlich.
Allgemeiner Hinweis: Platzbeschaffung durch Distalisierung der Seitenzähne ist, da sie das Platzproblem nur in den Weisheitszahnbereich verlagert, nur zweite Wahl gegenüber Platzgewinn durch Wachstumsanregung. (Zusätzliche) Platzbeschaffung durch Zähneverschmälern ist relativ unbedenklich, aber im Ausmaß von der individuellen Zahnform abhängig.


7. AN F Zungenattraktor
als simples Solitär-Gerät (2 fertige Halteklammern, 1 Drahtschlaufe, Plastik oder Silikon) zur Frühbehandlung falscher Zungenlagen. Zungen-anziehende Strukturen können selbstverständlich auch an Platten oder FKO-Geräten, die weiteren Zwecken dienen, angebracht werden.
Im vorderen Teil des Geräts ist das Gaumenrelief eingeprägt sowie eine kleine Höhlung am Zungenpunkt (Pfeil), die die Zungenspitze führt. Die größere Mulde am hinteren Element, das auch die Lage stabilisiert, führt den Zungenrücken. Ein geringes „Mitgehen“ des an nur 2 Punkten aufgehängten Geräts mit den Zungenbewegungen gibt einen zusätzlichen Trainingseffekt.
Im oberen Bild rechts ist die Zungenattraktor-Höhlung als zusätzliches Element an einem skelettierten Gerät angebracht.



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