Dr. rer. nat. Larissa Dloczik, Sellostr.22, 14471 Potsdam
Tel. (0331) 9513440, E-Mail: info@zahnklammern.eu
Stand: 19.07.2011


ENGLISH version: Own prototypes of lightweight removable appliances
Chapitre français: Mes propres prototypes des appareils amovibles légers

Eigene Prototypen herausnehmbarer KFO-Geräte
Info über weitere Mittel und Anwendung sanfter Kieferorthopädie hier

Dies ist kein Verkaufsprospekt für Zahnspangen, sondern ein Denkanstoß. Diese Prototypen könnten Entwicklungspotenzial haben für preisgünstige, risikoarme und komfortable Lösungen.
Dabei steht hier zunächst das technische Prinzip im Vordergrund. Die Prototypen sind nicht professionell ausgearbeitet, konnten nicht an Modellen „realistischer“ Fälle erstellt werden und können in Details noch fehlerhaft sein.

Ausführliche Anleitungen sind bei den mit AN markierten bereits erhältlich, und sind offen für Verbesserungen. Bei Geräten mit sehr kleinen Plastikanteilen sind diese generell im Pasten-Verfahren gezielter als im Streuverfahren herstellbar. Begrenzungen aus Wachs verhindern ein Eindringen der Plastikmasse in Bereiche, die davon frei bleiben müssen.
Die Geräte sind zur schnellen Übersicht markiert mit F für Frühbehandlung,  J  für „übliches“ Behandlungsalter (ausgehend vom späten Wechselgebiss) und E zur Spät- und Erwachsenenbehandlung.


1. AN F  J  Individuelle flexible Lippenschild-Geräte
zur Wachstumsanregung der Kieferfront bei Engstand im Ober- oder Unterkiefer, ohne Gefahr der „Überdehnung“. Oder als leichtes Gerät, um hintere Zähne hinten zu halten.
Durch geeignet angeordnete Wendeln und Schlaufen der Schild-Aufhängung sind sie individuell am Patienten einstellbar und reaktivierbar. Dabei dürfen die Schilde den wichtigen Lippenschluss nicht behindern. Ihre Feder-Wirkung, oder mehr noch die Elastizität von Silikon daran regt die Tätigkeit der Lippenmuskeln an und beschleunigt so die Korrektur funktionell. Gerade im Unterkiefer kann damit Restwachstum effizient und ohne Rückfallgefahr genutzt werden.

Von oben nach unten sind gezeigt:
1. Unterkiefer-Schild konventionell aus Plastik mit fertigen Dreiecksklammern, hintere zum Auflagedorn umgebogen.
2. Unterkiefer-Schild mit Halteelementen aus schnell herzustellendem umgreifenden Plastik, von einem Draht-Rahmen verstärkt, hier um 6er und 7er. Vorteil: Schild-Aufhängung braucht nicht den Zahnbogen zu queren. Kombi-Schild drahtseitig Plastik, Lippentaschen-seitig Silikon, auch schnell herzustellen. 2 zusätzliche Fingerfedern innen.
3. ähnlich, aber Halteelement nur um die 6er, Schild ganz aus Silikon und durch die Gestaltung der Aufhängung tiefer in der Lippentasche platziert (zur Nutzung des Fränkel-Effektes).

4. Oberkiefer-Kombigerät mit Schildgestaltung wie 2. und Dehnschraube; konventionelle Halteklammern.

Da diese Geräte frontoffen sein müssen, um den Zungendruck nutzen zu können, kann im Unterkiefer keine Dehnschraube genutzt werden. Jedoch ist ein Dehnbügel möglich, so wie bei den „Mini-Dehnfeder-Geräten“, Teilbild rechts oben. Bei 2. ist einer vorhanden, aber seine rückwärtigen Schlaufen sind im Bild verdeckt.

2. F  J  E Mini-Dehnfeder-Geräte
ausführliche Laboranleitung
hier [484 kB pdf],
leicht zu tragen für alle Altersstufen von Früh- bis Erwachsenenbehandlung. Dort nur noch ein geringer Effekt, wohingegen bei der Frühbehandlung auch engere Kiefer schonend behandelt werden können.
Das Exemplar rechts unten ist mit einer federnden „Memory-Schraube“ und mit Kappen als Halteelemente ausgestattet. Die anderen enthalten Federn, deren Stärke nach Bedarf auszulegen ist (detaillierte Anleitung erhältlich). Als Halteelemente können alle üblichen Halteklammern oder Überkappungen dienen.
Für eine Ausdrehung von Zähnen empfiehlt sich hier Setup-Technik, bei größerem Umfang kombiniert mit „Regulierungs-Silikon (3.)“
Falls Haltezähne mangeln, weil sie alle zu konisch oder noch zu kurz sind, könnten kleine, zahnfarbene Simse („Attachments“) aufgeklebt werden, die auch beu Korrekturschienen bei Bedarf genutzt werden. Anders als Brackets oder Bänder verletzen sie weder die Wangenschleimhaut, noch beeinträchtigen sie die Hygiene am Zahnfleischsaum. Das Gerät schnappt darauf dann wackelfrei ein.



3. F  J  E Regulierungs-Silikon zur rationellen Zahnkorrektur
Silikon kann mit Haftvermittler an aktiven Platten angebracht werden, um einen flächigen Kraftangriff auf Zähne zu ermöglichen, die zuvor „auf dem Gipsmodell begradigt“ wurden (Setup-Technik). Mit solchen Platten lassen sich verdrehte und verkippte Zähne auch schon im Wechselgebiss korrigieren, wobei das Federnbiegen entfällt, aber zugleich Schraubelemente genutzt werden können. Auch rotierende Zahnbewegungen sind möglich. Sollten Zähne in der gewünschten Kraftrichtung zu ungriffig sein, kann man Attachments als Griffe anbringen, siehe bei 2.).
Beim orangebunten Exemplar umfasst das Regulierungs-Silikon 8 untere Zähne, um beginnenden Alters-Engstand nach leichtem Schmalerschleifen rückgängig zu machen. Beim blauen umfasst es 6 obere, ebenfalls von beiden Seiten. Dieser Patient hatte nach einer Behandlung mit konfektionierten Trainern eine leichte frontale Enge zurückbehalten (vermutlich passte keine Größe optimal). Außerdem wurden die linken Prämolaren durch den Zusammenbiss in ihrer stark rotierten Stellung gehalten. Das hier gezeigte Silikon ist für den ersten von 2 oder 3 Korrektur-Schritten.

Der Silikon-Plastik-Verbund hat eine weitere kieferorthopädische Anwendung in der Wirkungssteigerung funktionskieferorthopädischer Geräte.
Zur Reinigung des Silikons empfiehlt sich tägliches Abbürsten mit Sodapulver.
Detaillierte Anleitung mit weiteren Beispielen: hier von Fachlabor W. Paulus, Burgbernheim: www.positioner.de > Arbeiten mit Silikon




4.  J  E Seitenzahn-Lückenöffnung: Distalplatten einfach und griffig
Seitenzähne können nach vorzeitigem Milchzahnverlust aufwandern, besonders beim 5er (nutzbar im Fall von Nichtanlagen), oder seltener auch nach Zahnverlust beim Erwachsenen. Selbst bei normalem Zahnwechsel drängen die Seitenzähne mancher Jugendlicher so vorwärts, dass sie die Eckzähne abdrängen und nicht selten zum Unterkiefer im Kopfbiss stehen.
Eine (technisch einfache) Querdehnung löst diese Probleme nicht. Sie wäre ein Fehler. Ursächlich gilt es stattdessen, die aufgewanderten Zähne quasi gegen den Strom wieder zurück zu schieben (distalisieren). Dies braucht an herausnehmbaren Geräten griffige Halteelemente. Fortlaufende Pfeilklammern (siehe rosa Auschnitt) sind an aktiven Platten bewährt, aber ohne Spezialwerkzeug knifflig herzustellen. Wer eine ultimative Pfeilklammern-Anleitung haben sollte: ich veröffentliche sie hier gerne! Sie sind besonders geeignet, wenn die gefassten Zähne sich auch noch verlängern (weiter wachsen) sollen.
Ansonsten sind jedoch Plastik-Umfassungen einfacher herzustellen, die um einen schlichten Drahtrahmen um die „zurückzuschraubenden“ Zähne modelliert werden. Hier gezeigt an einer halb zugewanderten 5er-Lücke (farblos-blaue Platte) und gegen Eckzahn-Einengung (rotgelbe, die abzuändern wäre, wenn bleibende 5er nachwachsen). Der Plastikzapfen in der 5er-Restlücke wurde schlicht geteilt und wäre für den dann wachsenden 5er sukzessive auszuschleifen. Zusätzliche Halteelemente im Frontbereich sind hier wichtiger als ein Labialbogen. Für eine beidseitige Distalisierung kann ein an der Platte angebrachter Lippenschild (1.) zusätzliche Gegenkraft aufnehmen, auch im Oberkiefer.
Hingegen ist die Platte ganz in Blau (Dank an www.kfo-soehngen.de ) beiderseits mit käuflichen 2-segmentigen Sagittalschrauben ausgestattet, hier für eine präprothetische Anwendung. Mit diesen kann oben oder unten Platz zügig bis zur Engstelle durchgestellt werden, ohne dass unnötige, u. U. empfindliche Lücken aufgetan werden, und ohne dass das Gerät an Halt verliert.


Wichtig: Platzbeschaffung durch Distalisierung der Seitenzähne sollte, da sie das Platzproblem nur in den Weisheitszahnbereich verlagert, zweite Wahl gegenüber Platzgewinn durch Wachstumsanregung sein. (Zusätzliche) Platzbeschaffung durch Zähneverschmälern ist relativ unbedenklich, aber im Ausmaß von der individuellen Zahnform abhängig.

5. F  J  Die 4-Element-Progenieplatte
Etwa 5% der Deutschen, im Süden mehr als im Norden, entwickeln progene Kieferformen.
Zur Progenie-Behandlung bewährte „spezielle“ FKO-Geräte (mehr dazu im Fallbeispiele-Kapitel) wurden weggedrängt von Brachialmethoden, oder von unzureichenden Standardprozeduren in der Jugend mit später folgender Knochen-Operation.
Frühbehandlung ist bei Progenie wichtig, und eine konventionelle Oberkieferplatte kann dafür genügen, wenn sie, wie die 3 bewährten Vorlagen unten, mit entsprechenden Elementen bestückt wird. Alle 3 enthalten eine Dehnschraube, 2 haben verschiedene Gegenkieferbügel, 2 haben verschiedene Protrusionsfedern bzw. -arme, die in der blauen Platte sogar den Zungenpunkt plastikfrei lassen. Die zweifarbige Platte hat kleine Oberlippenschilde, während für Funktionsregler-3 große Oberlippenschilde empfohlen werden (Tiefe der Lippentaschen am Patienten messen, Gipsmodell entsprechend radieren und 2 mm Wachs unterfüttern).

So ist der rechts gezeigte 4-elementige Prototyp trotz frontoffener Bauweise für mehr Komfort eine Maximalversion. Für leichtere Fälle können je nach Situation Elemente weggelassen werden.
Er enthält einen verstellbaren Gegenkieferbügel (wie Vorlage unten rechts, nach Tränkmann), große Schilde, sowie Protrusionsarme, die in einarmiger Bauweise mindestens 1,0 mm dick sein sollten, und eine große Schraube (nominal 11 mm Dehnweite). Bei massiver Kiefer-Enge kann damit bis zu 3 mm im Monat „gedehnt“ werden, auf gesamt maximal 10 – 12 mm inkl. Überkorrektur. Das entspräche 1/8 Drehung pro Tag, würde dabei allerdings 20/24 h Tragezeit und viele fest einrastende Halteklammern erfordern, aber deckt sich mit der Werbung „bis zu 3x schnellere Dehnung“ für sog. Memory-Dehnschrauben mit integrierter Feder. Um solche komfortabel wirksamen Feder-Dehnschrauben hier zu nutzen, sollten frontale zweiarmige Elemente (Gegenkieferbügel, Schilde) in einarmige modifiziert werden, damit die Platten-Hälften voneinander frei sind.




6. F  J  E Skelettierter Komfort-Retainer
Diese Geräte sind entsprechend ihrem Zweck langlebig, leicht zu säubern und auch im Mund hygienisch. Denn durch möglichst geringe Bedeckung der Schleimhaut wird die Selbstreinigung möglichst wenig eingeschränkt. Beim Unterkiefer-Retainer reicht das Plastik hier nur 3 mm, beim oberen 5 mm über die Zähne hinaus.
Auch kleine Restkorrekturen mit Federn (hier für untere Front) oder Regulierungs-Silikon (siehe dort) sind möglich. Die gezeigten Exemplare stehen als erste Beispiele für viele mögliche Varianten.

Der UK-Retainer hat ein tragendes Skelett aus 1.1 – 1.2 mm Draht, der den Mahlzähnen beidseitig anliegt. Plastik umfasst hier nur die 5er bis 3er, weshalb als zusätzliches Halteelement Kugelanker zwischen 5er und 6er greifen. Die Front kann statt mit Draht auch vorne und /oder hinten in Plastik gefasst werden, so wie bei dem OK-Retainer.




Die Verbindungsbügel an diesem Prototypen sind mit 1.1 mm Drahtstärke zu dick ausgefallen (0.9 mm würden reichen), und der vordere wäre störungsfreier, wenn er am Gaumendach etwa 1 Zahnbreite weiter hinten liegen würde.
Die zahnumgreifende Bauweise gewährt festen Halt. Ein zusätzlicher Draht hinter der Front wäre möglich. Bei der Drahtquerung hinter den hintersten Zähnen ist zu beachten, dass dort oft kaum vertikaler Spielraum besteht. Das konventionellere Paar leichter Retentionsplatten im linken Bild vermeidet dies. Es wurde nach einer Behandlung mit Korrekturschienen verwendet.

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