Die
VARIANTEN der KIEFERORTHOPÄDIE heute (1) (5)
Oft
wird bei Kindern wertvolle Zeit vertrödelt! Die
derzeitigen Kassen-Regelungen fördern dies noch, besonders,
wenn nur Engstand besteht. Dabei wäre eine Zahn-
oder Kiefer-Korrektur mit Nutzung des Wachstums einfacher, billiger
und weniger belastend, wenn sie früh erfolgt.
(1)
HEUTE SELTEN GEWORDEN ist die
millionenfach bewährte Nutzung der Phase des
Seitenzahnwechsels
zur kompletten Behandlung mit herausnehmbaren
Spangen, die Vollversionen sind. Das heißt, die
nach Bedarf Platz gewinnen und Zähne einordnen können. Oder
auch Lücken schließen können, was seltener gebraucht
wird. In dem Sinne, PLATZANWEISER STATT PLATZHALTER
(Fallbeispiele-Kapitel).
In diesem Alter sind Kinder auch noch williger, Zahnspangen
regelmäßig zu tragen, und können sie dann
meist nach Abschluss des Zahnwechsels bald
abtrainieren. Diese sogenannte Retentionsphase
ist zur Stabilierung der
korrigierten Zahnstellung längere
Zeit nötig, abgesehen von Sonderfällen, die
sich selbst stabilisieren, oder von ganzheitlichen
Behandlungsmethoden, die auf gesunde Mundraum-Funktionen
abzielen.
STATTDESSEN
wird heute oft bis zum Ende des Zahnwechsels Zeit
geschunden, um dann für 2 bis 3 Jahre (!) eine feste
Spange einzubauen. Dabei ist anzunehmen, dass die Zähne und ihre
Haltegewebe währenddessen mehrfach schneller altern.
Diese
dominante Behandlungsmethode wurde zu wohlhabenderen Zeiten
etabliert, ist nun aber für Kassenpatienten
kaum noch zuzahlungsfrei zu haben.
Für kleinere Kinder
schimmert ein
skandalöser Trend in einem neuen Hersteller-Kurs
über Frühbehandlung durch: frühzeitiges
Zähneziehen kann ein Segen sein. In ferner Vergangenheit,
als es Zahnspangen nur aus teurem Edelmetall gab, wurde empfohlen,
Kindern bei Engstand Zähne zu ziehen.
Als
ich vor Jahren mit 4 etwa
14-jährigen englischen Schülern ein Zugabteil teilte,
konnte ich in die Zukunft sehen: 2 von ihnen hatten
Bracket-Spangen, und die anderen 2 hatten sichtlich schiefe Zähne,
der eine sogar einen sagenhaft omegaförmig gewachsenen
Oberkiefer.
Diese Zukunft kommt nun auch auf den deutschsprachigen
Raum herab: es gibt entweder teuer, oder nichts Gescheites
(sondern z.B. Kindern Zähne ziehen). Zudem gibt es Murks in
jeder Preislage.
Schon
bei 10- bis 11-jährigen oder noch jüngeren Kindern, wenn
sie große Zähne haben, wird oft auf eine Nutzung des
Wachstums verzichtet, obwohl sie noch aussichtsreich wäre.
Stattdessen zieht man bis zu 4 gesunde neue Zähne, was in
über 60% dieser Fälle unnötig wäre. Danach
deformieren feste Spangen die Zahnbögen
oft zu einem spitzen Mäuschengebiss mit
zuviel Mund drumherum, was auch den Raum für die
Zunge und die Nasen-Atemwege einengt und die Stützzonen für
die Bisslage verkleinert, wodurch das
Risiko für Kiefergelenksbeschwerden steigt.
Hersteller, die
spezielle Brackets mit weniger Extraktionsfälle
anpreisen, geben damit umgekehrt zu, dass für normale
Bracketbehandlung unnötig Zähne gezogen werden!
Zur
Blütezeit der herausnehmbaren Spangen war Zähneziehen
seltener und führte durch den starren Körper dieser Spangen
nicht zu solchen Spitzkiefern.
Im
Durchschnitt ziehen Allround-Zahnärzte, die sich auch
kieferorthopädisch betätigen,
dazu weniger Zähne, als es die Fach-Kieferorthopäden für
ihre Behandlungen veranlassen. Denn die
Generalisten treiben bei anderen Patienten viel Aufwand, um
Zähne zu retten. Leider werden sie, außer in
unterversorgten Gebieten, von den Spezialisten aus der
Kieferorthopädie herausgedrängt.
Mir haben auch schon
mehrfach Zahnärzte gesagt, wie wenig Kieferorthopädie sie
heute an den Unis lernen. So als ob die Fachzunft verhindern wollte,
dass ihr Generalisten Patienten wegschnappen, oder dass sie Skrupel
haben, gesunde Zähne zu ziehen.
Die
Zurückentwicklung unserer individuellen,
handwerklichen zwanglosen Zahnspangen zur Zahnkorrektur
lässt sich in 4 Stadien (2) (5)
einteilen, siehe auch im Schaubild
(49 kB pdf):
(2)
Ihre Ergebnisse waren nicht mehr schön genug, so
dass routinemäßig noch etwa 1 Jahr feste Spange zur sog.
Feineinstellung folgte.
(3)
Das Platzdefizit ausmessen und das
Wachstum z.B. mit Dehnplatten anregen,
wobei aber auf die zugleich mögliche Vollkorrektur (1)
verzichtet wird. Solche (verstellbaren) Spangen sind als
Sparversionen bloß Teil einer teureren Behandlung mit
folgender fester Spange für längere Zeit.
(4)
Starre, nicht mehr verstellbare Platzhalter-Spangen erhalten
lediglich den Platz-Überschuss noch vorhandener
Milch-Backenzähne. Die Milch-4er und -5er nehmen zusammen pro
Seite nämlich etwa 3 mm mehr Platz ein als ihre Nachfolger - ob
der nun reicht oder nicht.
(5)
Keine herausnehmbaren Spangen mehr. Entweder einfach
zuwarten, und dann eventuell gesunde
neue Zähne ziehen, oder Teile mit Funktionen wie (3) oder
(4) fest einbauen, die meist beim Kauen und Sprechen
stören OHNE die Möglichkeit, sie bei Bedarf
abzulegen! Z.B. Lingualbogen, Gaumenbügel, Quadhelix oder
Gaumennaht-Sprengung zum Kiefer verbreitern, oder Halter für
einen Headgear zum Zurückzwingen der hinteren Zähne, Das
kann Zähneziehen vermeiden! Aber dass richtige
herausnehmbare Spangen das auch könnten, wird verschwiegen.
Nun
drängen auch noch Knochenschrauben (Mini-Pins,
Gaumen-Implantate, skelettale Verankerung) in den Markt des
Feste-Spangen-Zubehörs! Dieses Knochen-Piercing
birgt die Gefahr hartnäckiger Entzündungen. Dabei soll es
festen Spangen bloß
Haltefunktionen hinzufügen, die herausnehmbaren Spangen
gefahrlos innewohnen. Wie andere harte
Methoden auch, wurde dies zuerst für Problemfälle
eingeführt, dann für Jugendliche und Erwachsene und dann im
regulären Behandlungsalter. Einzelne Behandler tun sich gar
pionierhaft hervor, indem sie schon kleinen Kindern als
Frühbehandlung Gaumennahtsprengungen, Herbstscharniere oder eben
diese durch das Fleisch gedrehten Schrauben antun.
Im
allgemeinen werden die Opfer oder ihre Eltern dabei nicht
ausreichend über Alternativen aufgeklärt, so dass ihre
Zustimmung zu der invasiven Prozedur ungültig, und die
Behandlung damit Körperverletzung wäre.
Bei der
Gaumennahtsprengung wird im Extremfall schon 4-Jährigen
mit einer Art unter dem Gaumen eingebauten Miniatur-Schraubstock
verdeckt die Gaumennaht gesprengt, euphemistisch Kiefer
weiten, Gaumenspalte dehnen oder Schnelldehnung
genannt (siehe GNE-Aufklärungsblatt und Alternativen-Kapitel).
Anschließend muss das zerrissene Hartgewebe mehrere Monate
verheilen, was die anfängliche Schnelligkeit wieder zunichte
macht. Für die Kinder eine Tortur, für die Behandler mehr
Planungssicherheit als ei herausnehmbaren Spangen, um eine
vordefinierte Kiefer-Verbreiterung zu erzielen.
WAS
KOMMT NACH festen Einbauten, die bereits im Wechselgebiss erfolgten?
Damit die Kiefer verbreitert, oder die hinteren Zähne hinten
bleiben? Die Befestigungsringe (Molarenbänder)
dieser Teile an den Backenzähnen
sind die erste Baustufe der geplanten Bracket-Spange und
jahrelange
Kariesfallen! Überraschungsangriffe mit belastenden
Fertigteilen wie z.B. Kau-Sperren (drohen bei Deckbiss) oder
seltener Spikes (= Stacheln, gegen falsche Zungenfunktionen) sind
außerdem möglich.
Mit
einer festen Spange stellt
der Behandler einen Fuß in die Tür. Treten
dann Probleme auf, wird ein Wechsel oder Abbruch schwer. Behandlungen
können langgezogen werden, und Risiken von Karies,
Entzündungen, Wurzelschäden, Haltungsschäden und
psychischer Erfahrung von Gewalt im Mundraum werden Minderjährigen
auferlegt. Zumindest gegen die dentalen künstlich geschaffenen
Risiken werden technische Gegenmaßnahmen oft im Paket
vermarktet, z.B. Fluoridierung, Zahnversiegelung, professionelle
Zahnreinigung und kraftbegrenzende
Spezialdrähte aus Nickel-Titan. Da dies keine
Kassenleistung ist, werden zunehmende Zuzahlungen verlangt.
EIGENSCHAFTEN
FESTER UND HERAUSNEHMBARER (Loser) SPANGEN
für die Betroffenen:
a)
Feste Spangen machen häufig Schmerzen, besonders
beim Essen, und manchmal tagelang nach jedem Nachspannen vom
neuem. Schmerzen sind ein Warnsignal, das man nicht betäuben
sollte. Sie zeigen hier Quetschungen des Zahnhaltegewebes an.
Die können wieder heilen, oder auch nicht. Dann freuen sich
später die Zahnersatz-Hersteller.
b)
Zähneputzen mit fester Spange ist zeitaufwändig
und schwierig, und braucht meist Spezialzahnbürsten und
zusätzliche Hilfsmittel. Noch kritischer ist dieser Aspekt für
Menschen mit Behinderungen, mit schlechter Zahnsubstanz oder
mit hoher Kariesbakterien-Konzentration.
c)
Häufig
werden für feste Spangen vorgeformte Fertigdrähte
in Einheitsgröße verwendet, die die Zahnreihen in eine
Einheitsform zwingen (Schaufensterpuppen-Gebiss),
die ästhetisch und funktionell nicht unbedingt zum Kopf des
Patienten passt.
Bezeichnend ist, dass für die Retention
(s.o.) nun auch für Kinder und Jugendliche zunehmend
Kleberetainer bevorzugt werden. Das sind hinter die Schneide-
und Eckzähne geklebte Drähtchen zum langjährigen
Verbleib (keine Kassenleistung). Damit lässt sich eine künstlich
geschaffene, instabile Zahnstellung aufrecht erhalten.
Die
Ergebnisse einer körperverträglich langsamen Behandlung mit
herausnehmbaren Spangen wären stabiler. Mit selteneren Terminen
und moderaten täglichen Tragezeiten wäre sie auch nicht
zeit- und kostenaufwändiger als eine schnell durchgepeitschte
Behandlung. Aber obwohl es ärztlicherseits durchaus möglich
wäre, langsame Behandlungen abzurechnen, lockt das schnellere
Geld.
d)
Während herausnehmbare Spangen bei sachgemäßer
Handhabung bloß bei Materialfehlern kaputtgehen, können
von festen Spangen beim Verzehr harter oder knuspriger Lebensmittel
Brackets abgehen. Ihr Wiederankleben ist oft eilig (Notfall-Stress!)
und, von kulanten Ausnahmen
abgesehen, selbst zu zahlen.
Zwar kommt auch vor, dass
Kinder lose Spangen verlieren oder kaputtgehen
lassen. Aber sind sie mit ihren Geldbörsen, technischen
Geräten, Brillen usw. genauso schlampig? Das müsste doch zu
lernen sein?
e) Bei manchen
Sportarten wie z.B. Fußball oder Judo drohen durch feste
Spangen Mundverletzungen. Beim Spielen von Blechblasinstrumenten
drücken sie sich ins Fleisch.
Dafür gibt es zwar
Zahnspangen-Schützer. Aber auch die sind Extra-Aufwand, der bei
herausnehmbaren Spangen überflüssig wäre! Statt der
Dose mit dem Schützer ginge dann die Dose für die Spange
mit zum Sport- oder Musik-Unterricht. Angesehen davon, dass es in
rechtzeitigen Fällen meist reicht, die Spange 15/24h zu
tragen. Einigen speziellen Arten (Kaugummi-Effekt, siehe
Zahnspangen-Galerie B, Fallbeispiele und Kaukraft Kiefer-Former)
genügt sogar noch weniger.
f)
(Un)Kontrollierte Kräfte: Marketing mit Halbwahrheiten und
falschen Behauptungen:
Am Zahnhaltegewebe, dessen Stoffwechsel
die Zahnkorrektur erst ermöglicht (ein Implantat oder ein im
Knochen festgewachsener Zahn ist nicht zu bewegen), wirkt
genaugenommen Druck = Kraft pro
Fläche. Die Fläche ergibt sich dabei aus dem
Wurzellängsschnitt quer zur Kraftrichtung. Sie wäre nur mit
großem Aufwand für jeden Zahn, auf den die feste Spange
Kraft ausübt, exakt zu bestimmen. Insofern ist alles
Werbegewäsch von exakt dosierten Kräften moderner, teuer
fester Spangen Augenwischerei im Hinblick auf das, was
tatsächlich am Zahnhaltegewebe einwirkt!
Zu hohe Drücke
dort machen sich durch Schmerzen
bemerkbar, und der Vorteil ALLER herausnehmbarer Spangen gegenüber
festen ist, dass man sie bei Schmerzen oder wenn
ein Fehler vermutet wird ablegen kann.
Sozusagen der NOT-AUS-Knopf, der allen festen Spangen fehlt.
Schäden drohen bei
Schrauber-Spangen nur bei Fehlbedienung: mehr schrauben als tragen,
oder als das Wachstum mitkommt - ähnlich einer Überdosierung
bei Medikamenten.
Einst traf ich eine 80-jährige Dame, die
vollzählige Zähne in gutem Zustand hatte. Als Kind hatte
sie eine herausnehmbare Platte getragen, mitsamt Aufdehnen per
Schraube.
Dennoch wiederholen gestandene Kieferorthopäden
inbrünstig, dass man mit Schrauber-Platten alles kaputt mache.
Und dass stattdessen, je nach Werbequelle, nur die feste Quadhelix
oder verletzende Gaumennahtsprengung Kindern den Kiefer ordentlich
verbreitern könnte.
Einer behauptete felsenfest, dass die
starren
Schrauber-Platten pro Weiterstellen um schädliche
0,25 mm verstellt würden, und wie modern dagegen doch seine
festen Spangen seien.
Versuch einer Deutung: ein amerikanischer
Bracket-Vertreter hat stolz
die Gewindehöhe europäischer Schrauben aus dem Internet
gegraben, nämlich 1,0 mm bei
Industrieschrauben, und dann messerscharf geschlossen, dass
die übliche Zahnspangenschrauben-Vierteldrehung 0,25 mm ergibt.
Hätte er in die Kataloge für Zahnspangenschrauben
weitergesucht,
dann hätte er gemerkt, dass sie Feingewinde mit 0,4 oder 0,35 mm
Gewindehöhe haben.
Das ergibt körperverträgliche 0,1 mm pro Vierteldrehung und
Kieferseite.
SO
werden bewährte Methoden abserviert. Mit neueren
wissenschaftlichen Erkenntnissen haben solche Schmutzkampagnen
nichts zu tun!
g)
Auch Crozat-Spangen,
die besonders hygienisch sind und sich daher besonders für
Erwachsene mit geschädigtem Zahnfleisch und zur
präprothetischen Kieferorthopädie eignen, werden
miesgemacht, um auch ganzheitliche
Kieferorthopäden für teure Bracket-Spangen zu begeistern.
Auch Crozat-Spangen werden
unkontrollierbare Kräfte unterstellt, obwohl der Druck,
der letztlich zählt (s.o.), von festen
Spangen nicht wohldosierter ist als von Crozat-Federn, die von einem
erfahrenen Behandler eingestellt wurden. Bei der original
Crozat-Technik sollen geringe, punktuelle Kräfte nicht formen,
sondern den Weg zur Selbstheilung ebnen.
Wieder zeigt
sich, dass hinter den Bracket-Spangen große Firmen
mit Vertreter-Scharen und Kursangeboten stehen, aber hinter alten
handwerklichen Techniken nicht. Bracket-Werber haben sogar schon
behauptet, jedes
verwendete Crozat-Lötmaterial setze im Mund Schwermetalle
frei! Aber wo ist in Europa die dümmste anzunehmende Hilfskraft,
die Crozats mit billigem Elektronik-Lötzinn lötet? Außerdem
kann man Crozats
heute auch schweißen.
Letztes
Update dieses Teils: 06.01.2009
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